Es ist Samstag, der Lange-Nacht-der-ZEIT-Samstag, Hamburg, Schanzenviertel, Haus 73. Oben, an der Bar, hat Uchenna van Capelleveen, wie Megaloh mit bürgerlichem Namen heißt, schon mal zwei Gin Tonic getrunken; der Rapper und sein Manager sind schon etwas länger hier. Im Saal werden Stühle verteilt, ungewohnt für einen wie Megaloh, der sonst meist nur eine hüpfende Menschenmenge vor sich hat. Für die Bühne zieht er sich extra noch einmal um, frische Baggie, neues T-Shirt. Nachdem er Platz genommen hat, gibt's nur noch Wasser.

ZEIT ONLINE: "Sie fragen mich, kann ich inzwischen von der Mucke leben?" ist die erste Zeile des ersten Songs auf deinem neuen Album Regenmacher. Inwieweit wird dein Leben von Geld bestimmt?

Megaloh: Existenzsicherung und so geht nicht ohne Geld. Man braucht also ein Minimum. Bei allem, was darüber hinausgeht, hängt es von einem selbst ab: Was hat man für Erwartungen vom Leben? Was möchte man haben? Leben kostet halt.

ZEIT ONLINE: Kostet auch, weil du für andere sorgst...

Megaloh: Ja, für meine Familie.

ZEIT ONLINE: Viele deiner Songs handeln von Geld. Warum?

Megaloh: Nicht von Geld direkt, würde ich sagen, sondern von Möglichkeiten, die sich dir auftun. Bevor ich Familie hatte, habe ich eher von der Hand in den Mund gelebt. Seit die Familie da ist, ist das anders. Ich trage Verantwortung. Ich brauche Sicherheit. Deswegen habe ich auch einen Job, der monatlich ein sicheres Einkommen bringt: Ich arbeite morgens im Paketlager.

ZEIT ONLINE: Was genau tust du da?

Megaloh: Das ist ein Knochenjob, anstrengend, stumpfsinnig, dafür kann man den Kopf ausschalten. Ich lade Pakete aus einem Container und packe sie aufs Fließband. Ein paar Tausend am Tag. Bei dieser Form der Arbeit kannst du kreative Energie für den Rap behalten, sie konservieren. Das ist gut. Aber ich hoffe, dass ich den Job aufgeben kann, wenn mein neues Album sich gut verkauft.

Musikmachen kostet Geld.
Megaloh

ZEIT ONLINE: In einem deiner Songs geht es darum, dass du Mietschulden hattest, in vielen, dass das Geld knapp war. Wie viel verdienst du im Paketlager die Stunde?

Megaloh: So 14 Euro. Eigentlich ganz gut, dafür dass man keine extra Ausbildung braucht.

ZEIT ONLINE: Viele Leute denken, Musik ist ein nettes Hobby, auch wenn man nichts verdient. Stimmt das?

Megaloh: Nein. Musikmachen kostet Geld. Die Beats, mit denen man arbeitet und die jemand anliefert, kosten. Wenn man ins Studio geht, kostet das was: aufnehmen, Sound mischen. Du zahlst auch für die Musiker, die ins Studio kommen – Bläser, Gitarristen und so. Und dann, wenn du denkst, dass alles fertig ist und du schon eine Menge Geld bezahlt hast, musst du noch für die Plattenpressung zahlen, für Videodreh und Promotion.

ZEIT ONLINE: Wie viel konkret?

Megaloh: Früher, als wir noch mit einem eigenen Label gearbeitet haben, haben wir für jede einzelne Platte zwischen ein und zwei Euro gezahlt. Wenn du also 5.000 Platten pressen lässt, sind die Taschen erst mal leer. Wenn du Musik machen willst, brauchst du entweder jemanden, der dich unterstützt, oder selbst genug Geld auf der hohen Kante.

ZEIT ONLINE: Dein letztes Album Endlich Unendlich war in den Top10 der deutschen Hip-Hop-Charts …

Megaloh: ... und die Leute denken immer gleich: Boah, der hat es geschafft.

ZEIT ONLINE: Und, ist nicht so?

Künstler müssen arm sein, um gut zu sein. Ich hoffe, dass es auch anders geht.
Megaloh

Megaloh: Ganz so einfach ist es nicht.

ZEIT ONLINE: Was bringt dir finanziell am meisten ein: die Musik selbst, Konzerte oder Dinge wie Merchandise?

Megaloh: Bei Plattenverkäufen hängt es davon ab, welchen Plattenvertrag man ausgehandelt hat. Musik ist ein zeitversetztes Business: Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis man Geld sieht. Am meisten bleibt für mich hängen, wenn ich live spiele – vor allem im Sommer bei Festivals. Im Winter ist dagegen meist sehr wenig los, da muss man genug gespart haben oder eben anderweitig Geld verdienen, um über die Runden zu kommen.

ZEIT ONLINE: Macht Geldhaben eigentlich kreativ?

Megaloh: Hmm. Mit mehr Geld steigen die Möglichkeiten, was du mit deinem Leben machen kannst. Eine gewisse Kreativität geht damit schon einher. Aber es gibt ja diesen Spruch: Die größte Kunst entsteht aus dem größten Leid. Künstler müssen arm sein, um gut zu sein. Ich hoffe, dass es auch anders geht.