Leicht verderblich: Werden wir ohne offizielles Ablaufdatum noch wissen, was haltbar ist? © Justin Sullivan/Getty Images

Der Plan: Ernährungsminister Christian Schmidt will angeblich das Haltbarkeitsdatum auf allen Lebensmittelverpackungen abschaffen.

Stimmt das, oder stimmt es nicht?

So absolut formuliert stimmt es nicht, obgleich Schmidts angeblicher Plan in zahlreichen Überschriften so kolportiert wurde. "Das ist sehr stark verkürzt worden", sagte eine Ministeriumssprecherin ZEIT ONLINE. Tatsächlich hat der Minister das im Interview mit der Funke-Mediengruppe wortwörtlich so weder gesagt noch hat er die Frage dazu klar bejaht.

Die Verwirrung entstand vor allem, weil Herstellungsdatum, Mindesthaltbarkeitsdatum und Verfallsdatum verwechselt wurden. Schmidt will das Haltbarkeitsdatum nicht in Gänze auf allen Lebensmittelverpackungen abschaffen, zumal nicht über Nacht. Was der CSU-Politiker vorschlägt: 1. Bei lange haltbaren Lebensmitteln wie Nudeln, Reis und Mehl auf ein Mindesthaltbarkeitsdatum zu verzichten und lediglich ein Herstellungsdatum zu nennen. 2. Auf empfindlichen Lebensmitteln will er hingegen das bereits existierende sogenannte Verfallsdatum ausbauen. Es zeigt beispielsweise für Hackfleisch, Räucherlachs oder Geflügel an, ab wann die Nahrungsmittel gänzlich ungenießbar sind, weil entstehende Keime dann gesundheitsgefährdend sein können.

Ist das sinnvoll?

Tatsächlich denken laut einer großen Umfrage der Europäischen Kommission 24 Prozent der Menschen in Europa, Mindesthaltbarkeit (im Englischen: best before) bedeute, dass ein Produkt nach diesem Datum gar nicht mehr genießbar, also gesundheitsgefährdend sei. In Deutschland denken das immerhin nur neun Prozent, in Griechenland hingegen 54 Prozent.

Dabei wird eine Gesundheitsgefährdung gar nicht mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben, sondern mit dem sogenannten Verfallsdatum (im Englischen: use by). Hier besteht auch in Deutschland große Unsicherheit. 42 Prozent der Deutschen gaben an, dass Produkte nach dem Verfallsdatum noch genießbar seien. Aufklärung wäre also wichtig.

Der Minister verweist darauf, dass die "EU-Richtlinie über die Etikettierung und Aufmachung von Lebensmitteln" geändert werden könnte. Wie das konkret aussehen wird, sagt er nicht. Er wolle damit aber das Ziel erreichen, die Nahrungsmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren. Laut einer Sprecherin des Ministeriums handelt es sich aber nicht um einen Gesetzesvorschlag, sondern um eine Diskussionsgrundlage.