Die technologische Revolution ist eines der am heißesten diskutierten Themen in Politik und Wirtschaft derzeit. Für Politiker wirft sie die Frage auf, wie man am besten den anstehenden Wandel gestaltet. In Unternehmen wird nachgedacht, wie man sich die neuen Innovationen im eigenen organisatorischen Umfeld zunutze machen kann. Es stehen eindeutig größere Veränderungen an.

In den letzten beiden Jahren habe ich mich intensiv mit diesem Thema sowohl im Bereich der Politikfindung als auch im Rahmen von praktischen Fragen beschäftigt und war über eine Sache überrascht: Viel zu oft wird einfach angenommen, dass, was technologisch machbar ist, auch sehr schnell das tägliche Leben direkt beeinflussen wird. Es fehlt ein strukturierter Rahmen, mit dem man die Übertragung von technologischen Möglichkeiten ins reale Leben analysieren und verstehen kann. Vor diesem Hintergrund habe ich fünf Filter identifiziert, die den direkten Einfluss von Technologien moderieren.

Zuerst einmal gibt es einen ethischen Filter, der direkt im Forschungsprozess ansetzt. Diese ethisch definierte Restriktion setzt einen Rahmen, der vorgibt, was vertretbar und damit erlaubt sein soll. Dieser Filter hat wenig Einfluss auf digitale Technologien, ist aber sehr wichtig beispielsweise im Bereich der Biotechnologie. Die Diskussion über die Limits von Embryonen- und Stammzellenforschung zeigt, wie dieser Filter wirkt. Die Demarkationslinien für das, was erlaubt ist, und das, was nicht erlaubt ist, werden im politischen Prozess gesetzt. Klar ist aber, dass nicht alles, was möglich ist, auch tatsächlich gemacht werden darf.

Zum zweiten gibt es einen sozialen Filter. Sozialer Widerstand gegen technologischen Wandel ist nichts Neues und ist tendenziell am stärksten in den Bereichen, in denen es um Arbeitsplätze geht. Von den Ludditen im England des 19. Jahrhunderts bis hin zu aktuellen Protesten hat sozialer Widerstand häufig zu verzögerter oder regulativ gestalteter Implementierung geführt. Der Widerstand der Taxifahrer gegen Uber ist ein aktuelles Beispiel für diesen Effekt.

Seit Anfang des Jahres habe ich Uber in Miami, London und Berlin benutzt. Wer kam jeweils nach Anfrage durch die App? In Miami kam ein privater Fahrer, wie man ihn generell von Uber kennt. In London aber wird Sie ein von der Stadt für Personentransport lizensierter Fahrer abholen, und in Berlin kommt ein ganz normales Taxi. Im Berliner Fall gibt der Taxifahrer sogar selbst den Fahrpreis, der ganz normal vom Taximeter kommt, in die App ein. Sozialer Widerstand kann also einen entscheidenden Einfluss darauf haben, wie Technologie letztlich angewendet wird.

Mitbestimmung in Unternehmen hilft

Drittens gibt es in Unternehmen selbst einen corporate governance Filter, durch den verschiedene Managementmodelle wegen ihrer systemischen Anlagen zu unterschiedlichen Umsetzungen von Technologie gelangen. In diesem Zusammenhang wird oft das angloamerikanische Shareholder-Modell vom europäischen Stakeholder-Modell unterschieden. Was bedeutet das? Das Shareholder-Modell hat die Tendenz, kurzfristige finanzielle Ziele zu priorisieren, wohingegen Stakeholder-Modelle ein breiteres Interessenfeld in Entscheidungen einbeziehen.

Das deutsche Modell der Mitbestimmung ist zum Beispiel ein Entscheidungsprozess, der verglichen mit dem amerikanischen Modell in der Anwendung von neuen Technologien zu unterschiedlichen Resultaten führen kann. Eine mittel- bis langfristige Strategie sollte den optimalen Einsatz aller verfügbaren Ressourcen und nicht das kurzfristige Ersetzen eines Produktionsfaktors zum Ziel haben. Diese Zielsetzung ist im System der Mitbestimmung deutlich fester verankert als in angloamerikanischen Modellen.