Volkswagen hat in der Abgasaffäre offenbar lange darauf gesetzt, den Skandal um manipulierte Messwerte vor der Öffentlichkeit geheim halten zu können. Der damals von Martin Winterkorn geleitete Vorstand des Konzerns habe bereits seit September 2015 von den Gesetzesverstößen gewusst, ohne die Aktionäre und die Öffentlichkeit darüber zu informieren, berichten die Süddeutsche Zeitung sowie NDR und WDR. Als Quelle nennt der Bericht eine Stellungnahme von VW für das Landgericht Braunschweig, mit der Schadensersatzansprüche von Aktionären abgewehrt werden sollen.

Der Stellungnahme zufolge nahm der VW-Vorstand an, ohne hohe Strafen und ohne die Einbeziehung der Öffentlichkeit zu einer Einigung mit der US-Umweltschutzbehörde EPA gelangen zu können. Deshalb wollte er sich offenhalten, die Angelegenheit auf Dauer geheim zu halten. Der Plan wurde demnach auch vom derzeitigen Aufsichtsratschef und Exfinanzvorstand Hans Dieter Pötsch und Winterkorns Nachfolger als Konzernchef, dem früheren Porsche-Chef Matthias Müller, mitgetragen.

Bei dieser Strategie hatte der VW-Vorstand die EPA allerdings unterschätzt. Diese machte die Verstöße "unerwartet" am 18. September bekannt und verwies zugleich auf theoretische Maximalstrafen in Milliardenhöhe. Erst dadurch, argumentiert VW in seiner Stellungnahme, sei es zu den hohen Kursverlusten bei der VW-Aktie gekommen.

In der Folge hatte VW am 22. September zugeben müssen, dass weltweit bei rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Software eingesetzt wurde, die den Stickoxidausstoß im Testbetrieb nach unten manipulierte. Dem Konzern drohen deswegen Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe.