In so einem Haushalt kommt eigentlich alles zusammen. In Listen und Spalten voller Zahlen bildet sich ab, was Deutschland und die ganze Welt gerade bewegt. Auch der oberste Hüter des Rechenwerkes, das die Ausgaben des Bundes im kommenden Jahr erfasst, scheint durchdrungen zu sein von dieser Universalität. "Wir müssen uns mehr und mehr daran gewöhnen", sagt Wolfgang Schäuble, "was in der Welt geschieht, hat direkte Auswirkungen auf uns selbst."

Es klingt nicht wie eine Rechtfertigung, die der Bundesfinanzminister vor der versammelten Hauptstadtpresse an diesem Mittwoch in Berlin vorträgt. Es ist seine in Zahlen gefasste Antwort auf die Veränderungen und Herausforderungen, denen sich Deutschland im Jahr 2017 und der näheren Zukunft stellen muss. Zwar sollen die zehn Milliarden Euro, um die Flüchtlingskrise im kommenden Jahr zu bewältigen, nur ein Bestandteil dieses Konzepts sein. Dennoch betont Schäuble: "Wir werden alles daran setzen, dass Flüchtlinge in Deutschland so gut wie möglich integriert werden."

Dazu gehören nicht nur die unmittelbaren Kosten für die Unterbringung und Verpflegung, für mehr Arbeitslosengeld II, das Flüchtlingen nach Anerkennung ihres Asylersuchens in Deutschland zusteht. Dazu zählen auch Sprachkurse und Integrationsprogramme und höhere Personalmittel für die Bundespolizei und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Zu diesen zehn Milliarden Euro kommen aber noch weitere Ausgaben, die eine Zuwanderung in den kommenden Jahren wenn nicht gänzlich verhindern, so doch verringern sollen.

Um die Fluchtursachen zu bekämpfen, will die Bundesregierung dem Auswärtigen Amt und dem Entwicklungsministerium ebenfalls mehr Geld geben: etwa weitere 2,8 Milliarden Euro. Zu diesem "Rendezvous mit der Globalisierung", wie es Schäuble nennt, gehörten aber auch "die schrecklichen Eindrücke der jüngsten Anschläge in Brüssel", die einen Tag nach den Angriffen noch viele Menschen belasten würden.

Mit seinem Zahlenwerk will der CDU-Politiker auch darauf reagieren: mehr Geld für die innere und äußere Sicherheit. Bis 2020 will er mit 2,1 Milliarden Euro unter anderem die deutschen Sicherheitsbehörden und die Bundespolizei besser ausstatten. Auch die Bundeswehr soll vor allem für ihre Auslandseinsätze ein höheres Budget erhalten. 2017 soll es um 1,7 Milliarden Euro steigen und in den kommenden Jahren kontinuierlich weiter anwachsen.

Was bleibt für Gabriels Forderung?

Nun gibt es nicht nur prominente Politiker, die wie der Vizekanzler und SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel eine Frage stellen: Und was hat die deutsche Bevölkerung davon? Schäubles Antwort darauf ist simpel. Es sei genug Geld für alle da, keiner müsse "unter den zusätzlichen Maßnahmen leiden". Die Einnahmen durch Steuern und allerlei Sondereffekte haben tatsächlich alle Erwartungen übertroffen. Mehr als 12 Milliarden Euro an Rücklagen hat der Bund 2015 erzielen können. Insgesamt steigen deshalb die geplanten Ausgaben des Bundes im nächsten Jahr um 2,7 Prozent auf nun 325,5 Milliarden Euro.

Und trotz dieser höheren Ausgaben hält Schäuble an seiner schwarzen Null fest. Es werde auch 2017 keine neuen Schulden geben. Das geschehe nicht zum Selbstzweck, sagt Schäuble. Nur die solide Haushaltsführung der vergangenen Jahre ermögliche es Deutschland jetzt, flexibel auf die großen Herausforderungen zu reagieren und gleichzeitig auf Gebieten zu investieren, die das Wachstum und die Wirtschaft weiter förderten. Da ist sie wieder, die Forderung Gabriels nach mehr Geld für Kitas, Schulen, Straßen und Wohnungen.

Etwas mehr als 2,3 Milliarden Euro aus der Summe für die Flüchtlingshilfe sollen auch für den Wohnungsbau, den Arbeitsmarkt, die Rente und familienpolitische Maßnahmen aufgewendet werden. Es habe "intensive Gespräche" innerhalb der Regierung zu diesen Fragen gegeben, sagt Schäuble, und man habe ein einvernehmliches Ergebnis gefunden. Doch nach richtig viel klingt das nicht.

Auch wenn weiteres Geld für den sozialen Wohnungsbau an die Länder gehen soll, sucht man in Schäubles Zahlenwerk nach den großen Beträgen, die auch langfristig vor allem in den Ausbau der Infrastruktur gehen könnten. Auch der Bundesverkehrswegeplan, den Schäubles Ministerkollege Alexander Dobrindt kürzlich vorgestellt hat, sei bisher nicht "haushaltspolitisch voll unterlegt" und eher eine "langfristige Planung". Es scheint insgesamt also doch nur wenig Spielraum zu geben. Auch wenn der Substanzverfall von Straßen und anderen öffentlichen Gebäuden allenthalben beklagt wird. Die gesellschaftlichen Herausforderungen der Globalisierung haben für Schäuble aber offenkundig Vorrang.