Älteres Paar in Frankfurt an der Oder © Patrick Pleul/dpa

ZEIT ONLINE: Herr Weber, die Zinsen liegen jetzt auch offiziell bei null. Lohnt sich Sparen heutzutage überhaupt noch?

Martin Weber: Die Zinsen sind zwar gleich null, aber auch die Inflation ist sehr niedrig. Das heißt, wenn man das Geld einfach liegen lässt, bleibt einem über mehrere Jahre in etwa die gleiche Summe erhalten. Das ist nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass die Inflationsraten in der Vergangenheit meist höher waren. Man muss also die niedrigen Zinsen auch immer ins Verhältnis zur Inflation setzen, dann kann die Lage wieder etwas gelassener gesehen werden.

ZEIT ONLINE: Gehen wir von einer fiktiven Familie aus: zwei Kinder, 50.000 Euro gespart, Einkommen netto zusammen etwa 3.500 Euro pro Monat. Wohnt diese Familie in einer Großstadt oder ihrer Umgebung, kann sie das Eigenheim als Geldanlage schon vergessen – oder nicht?

Weber: In einer Metropolregion wie Frankfurt, München oder Stuttgart wird angesichts der jetzigen Preise die Finanzierung einer Wohnung außerordentlich schwer. Man muss aber auch überlegen, wozu diese Wohnung dienen soll: Konsumgut oder Geldanlage? Gerade bei Häusern ist es auch riskant, wenn man das Geld später benötigt und die Immobilie zu einem bestimmten Preis wieder verkaufen will. Vor allem wenn man nicht in einer der Metropolregionen wohnt, dann kann die Preisentwicklung auch anders aussehen: Dort steigen die Preise nicht unbedingt dauerhaft, teilweise stagnieren sie auch. Gerade Menschen auf dem Land haben durchaus Probleme damit, ein Haus zu dem Preis zu verkaufen, den sie erwartet hätten.

ZEIT ONLINE: Und wenn die fiktive Familie sagt: Dann kaufen wir eben eine kleinere Immobilie allein zur Altersvorsorge. Was halten Sie davon?

Weber: Mit kleinen Immobilien sollten Anleger sehr vorsichtig sein. Wenn man eine Zwei-Zimmer-Wohnung kauft, um sie beispielsweise an Studenten zu vermieten, kann das problematisch werden. Erstens habe ich habe ein sogenanntes Klumpenrisiko, weil ich mein Vermögen auf eine Anlage konzentriere. Es kann zu Mietausfällen kommen, zu Schäden. Und man muss sich um die Vermietung kümmern. Das lohnt sich eher für Investoren, die sehr viele Immobilien besitzen und das Risiko dann stärker streuen können.

ZEIT ONLINE: Es bleiben natürlich noch andere Möglichkeiten für die private Altersvorsorge. Was halten Sie beispielsweise von der Riester-Rente?

Weber: Das muss man differenziert betrachten. Zunächst ist eine private Altersvorsorge sicher notwendig und sinnvoll, weil die gesetzliche Rente leider für die meisten Menschen nicht reichen wird. Die Riester-Vorsorge hat den Charme, dass der Staat eine Garantie fordert: Der netto eingezahlte Betrag muss am Ende auch wirklich ausgezahlt werden. Das Risiko ist also gleich null. Trotzdem ist über einen Zeitraum von 30 Jahren das nominal eingezahlte Kapital am Ende real deutlich weniger wert. Es kommen außerdem Kosten für die Bereitstellung der Garantie hinzu. Wenn man also bereit ist, stärker ins Risiko zu gehen, kann man kostengünstigere Produkte mit höherer Rendite auswählen.

ZEIT ONLINE: Gerade für Riester-Sparer mit Kindern gibt es doch auch staatliche Zulagen. Lohnt sich das trotzdem nicht?

Weber: Das kann man ganz allgemein nicht sagen. Es gibt auch Berechnungen, die ergeben: Investiert man die gleiche Summe statt in Riester in einen an Börsen gehandelten Indexfonds, kommt man ungefähr auf dasselbe Resultat. Wenn die staatliche Förderung wegen Kinderzulagen relativ hoch ist und man eine kostengünstige Riester-Variante findet, kann es sich lohnen.

Besser passiv in Aktien investieren

ZEIT ONLINE: Wer in Deutschland seine Altersvorsorge hingegen mit Aktien oder anderen Wertpapieren bestreiten will, gilt eher als risikofreudig. Teilen Sie diese Auffassung?

Weber: In Deutschland denken viele Menschen, bei Immobilien hat man etwas Festes in der Hand. Das gilt aber auch für Aktien und die Unternehmen, die dahinter stehen, etwa mit einer Fabrik oder auch einem Markennamen. Man kann durchaus auch langfristig in Produktivkapital investieren. Dagegen spricht nichts.

ZEIT ONLINE: Ist es für den unerfahrenen Anleger nicht schwierig, die richtige Herangehensweise zu finden?

Weber: Man sollte heute passiv in Aktien investieren, also über Fonds, welche die Entwicklungen der Märkte möglichst breit abbilden. Man darf gerade bei der Altersvorsorge nicht denken, dass mit einem Spekulationsgeschäft oder einem Deal die Sache erledigt wäre oder man gar seine Rendite verbessern kann. Das gelingt nicht einmal den Großinvestoren.

ZEIT ONLINE: Worauf muss man bei langfristigen Aktieninvestments achten?

Weber: Das Wichtigste sind die Kosten des Anlageprodukts. Wenn man im Jahr etwa 1,5 Prozent Kosten hat, bleiben selbst bei einer Rendite von 5 Prozent am Ende nur noch 3,5 Prozent übrig. Wenn man das über einen Zeitraum von 30 Jahren rechnet, ergeben sich dramatische Effekte.

ZEIT ONLINE: Sollte man langfristig oder flexibel investieren?

Weber: Auch hier gilt, dass die Profis bei den flexiblen Investments im Vorteil sind. Man sollte maximal einmal im Jahr sein Depot anpassen.

ZEIT ONLINE: Wenn man also intelligent spart, sind dann die niedrigen Zinsen kein Problem?

Weber: So würde ich es nicht sagen. Etwas höhere Zinsen wären hilfreich. Es ist auch für die Banken ein Problem, wenn sie so gut wie nichts verdienen – auch wenn sich mein Mitleid mit ihnen in Grenzen hält. Es wäre besser, wenn der Kredit vier bis fünf Prozent kostete, es aber entsprechend auch Sparzinsen von zwei bis drei Prozent gäbe. Dann wäre das System besser im Gleichgewicht.