Bashir hatte gedacht, das Warten auf eine Aufenthaltsgenehmigung und auf seine Familie sei schon die schwerste Prüfung, die er als Flüchtling in der Bundesrepublik bestehen müsse. Aber beides hat er geschafft: Der Somalier ist als Flüchtling anerkannt und inzwischen sind auch seine Frau und seine drei Kinder in München angekommen. Doch jetzt ist ihm klar: Das Schlimmste steht noch bevor – die Wohnungssuche. Die wird hart.

Seinen richtigen Namen möchte Bashir lieber nicht in den Medien lesen, weil er dankbar ist, bleiben zu dürfen, und nicht als Jammerlappen missverstanden werden will. Aber ein wenig fragt er sich schon, warum er ausgerechnet in der Stadt ankommen musste, in der bundesweit die Wohnungsnot am größten ist. Und zwar ohnehin schon für alle Bürger.

Der Kampf um bezahlbaren Wohnraum ist in München härter als andernorts: Jahr für Jahr ziehen Tausende neue Bewohner in die Stadt, weil sie hier Arbeit oder Studienplätze bekommen. Und schon jetzt hält die Zahl der Neubauten mit dem Zuzug nicht Schritt. Aus den heute 1,4 Millionen Münchener Einwohnern werden bis 2030 wohl 1,7 Millionen. Bis dahin muss die Stadt weitere 230.000 Neubürger unterbringen, eine mittlere Großstadt. Und letztes Jahr kamen auch noch viele Flüchtlinge dazu, 36.000 waren es allein im ersten Halbjahr 2015. Etwa jeder Dritte davon wird anerkannt und langfristig hier wohnen. Nur wo?

9.000 Wohnungen fehlen schon jetzt

Nun hält die Stadt zwar 55.000 Sozialwohnungen für Geringverdiener vor. Doch jährlich werden davon nur etwa 3.500 frei und neu belegt. Und um die buhlen bereits 12.500 Registrierte, die laut Sozialreferat ein Anrecht auf eine geförderte Mietwohnung haben. Mehr als zwei Drittel von ihnen fallen unter die höchste Dringlichkeitsstufe. Es fehlen also schon jetzt gut 9.000 Wohnungen, und die Lücke wird noch größer werden, räumte Sozialreferentin Brigitte Meier bereits im Dezember ein. Momentan seien die "Auswirkungen der aktuellen Flüchtlingssituation" im Bereich des geförderten Wohnraums "noch nicht spürbar", doch mittelfristig würden "anerkannte Flüchtlinge die Zugangsvoraussetzungen erfüllen und geförderten Wohnraum nachfragen". Die Lage spitzt sich zu.

Längst hat der bayerische Innenminister Joachim Herrmann deshalb die Parole ausgegeben, dass neu gebaut werden müsse, um anerkannte Flüchtlinge unterzubringen: "Das muss nicht gleich in bestausgestatteten Neubauwohnungen sein. Es reicht zunächst ein Dach über dem Kopf." Um möglichst schnell zusätzliche Wohnungen für alle Bedürftigen zu schaffen, hat Bayern ein Drei-Säulen-Programm auf den Weg gebracht: In einem Sofortprogramm sollen bayernweit 3.300 neue Wohnungen von kommunalen Wohnungsbaugesellschaften erstellt werden. Ein Vierjahresplan soll für weitere 1.500 Wohnungen pro Jahr ermöglichen, zusätzlich wird die staatliche Wohnungsbauförderung ausgeweitet, um auch Privatinvestoren einen Anreiz zu bieten. Sie bekommen einen Zuschuss von 300 Euro für jeden Quadratmeter Wohnraum, den sie für Flüchtlinge und Geringverdiener schaffen.

Berlin - Flüchtlinge auf Wohnungssuche Die Flüchtlinge drängen aus Notunterkünften und Wohnheimen zunehmend auf den Wohnungsmarkt. In Berlin werden sie damit zur Konkurrenz für andere Wohnungssuchende. Und zu Opfern von Abzockern.

Auch die Stadt München machte für den Haushalt 2015 und 2016 auf die Schnelle noch einmal 250 Millionen Euro locker für das Programm Wohnen für Alle. Selbst Kritiker der SPD-geführten Stadtregierung wie CSU-Stadtrat Walter Zöller geben zu: "Ich bin erstaunt, wie schnell die Stadt und die städtischen Wohnungsbaugesellschaften reagiert haben." Von dem Geld werden Sozialwohnungen gebaut werden, die zur Hälfte an anerkannte Flüchtlinge vergeben werden und zur Hälfte an andere Geringverdiener. 1.000 Wohnungen sollen noch 2016 fertig sein. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, zu ehrgeizig vielleicht. "Ich glaube nicht, dass es realisierbar ist", sagt Zöller, "aber wenn es am Ende nur 800 sind, ist es doch auch ein Erfolg."

Die Bauzeit stellt dabei kein Problem dar: Die Häuser entstehen im Modulbau und werden von externen Generalunternehmern errichtet. Das geht schnell und preisgünstig. Kaum zu lösen ist hingegen die Frage: Wo gibt es überhaupt die Flächen dafür? Es gibt in München kaum unbebauten Platz, das bremst den Neubau. "Bauträger finden schon jetzt kaum noch Grundstücke – oder nur noch zu horrenden Preisen. Zudem werden viele alte Bürohäuser oder Gewerbehallen jetzt nicht mehr abgerissen, sondern zu Notunterkünften für Flüchtlinge umgewidmet. Gerade das hat den Platzmangel so verschärft und die Marktpreise für alle getrieben – bei den Miet- und Kaufpreisen", sagt ein bekannter Makler, der den Markt schon seit Jahren im Blick hat, sich aber zum "politisch heiklen Thema" Flüchtlinge lieber nicht öffentlich äußern will.