ZEIT ONLINE: Herr Bröcheler, Sie waren der erste Taxifahrer in München mit einem Elektroauto von Tesla. Was fasziniert Sie an diesem Auto?

Klaus Bröcheler: Es ist beeindruckend, wie schnell das Model S aus dem Stand beschleunigt – und das auch noch geräuschlos. Auch das Design des Fahrzeugs ist sehr außergewöhnlich. Ich fahre den Wagen seit zwei Jahren, und abgesehen von ein paar kleineren Komplikationen fühle ich mich darin sehr wohl.

ZEIT ONLINE: Was sind das für Komplikationen?

Bröcheler: Mit dem ein- und ausfahrbaren Fahrertürgriff gab es einmal Schwierigkeiten. Das hat wohl damit zu tun, dass die Fahrertür bei einem Taxi wesentlich öfter betätigt wird als bei privaten Autos. Die Tür ging nicht mehr auf, weil das Ein- und Ausfahren ein Kabel durchgescheuert hatte. Aber die Technik des Elektroantriebs, der Motor und das Aufladesystem sind hervorragend und funktionieren gut. Nur wenn man an das Model S die Qualitätsmaßstäbe europäischer Luxusautos anlegt, müsste Tesla meiner Meinung nach noch ein paar Dinge besser machen.

ZEIT ONLINE: Konnte Tesla eine schnelle Lösung für die Griffe finden?

Bröcheler: Die Münchener Tesla-Werkstatt konnte sie relativ problemlos auswechseln. Aber es geht einem natürlich ein halber Tag verloren. Für die Zeit bekamen wir einen Ersatzwagen. Außerdem ging einmal eins von zwei Ladegeräten des Ladesystems kaputt. Das kostete uns etwa 2.000 Euro. Da es wenige Erfahrungen mit dem Fahrzeug gibt, ist es halt unsicher, welche Kosten oder Unwägbarkeiten auf einen zukommen.

ZEIT ONLINE: Sind diese Unwägbarkeiten auffälliger als bei anderen Autos?

Bröcheler: Bei Fahrzeugen anderer Hersteller hatten wir eher mehr Reparaturen. Dass wie bei meinem Tesla Achsgelenke ausschlagen, kann bei Fahrzeugen, die 2,2 Tonnen wiegen, passieren. Wir sind jetzt schon 160.000 Kilometer mit dem Tesla gefahren, und da nutzt sich ein Auto natürlich ab. Beim Batteriesystem gibt es Einbußen bei der Ladekapazität. Nach dem Neukauf konnte ich mit der vollgeladenen Batterie 420 Kilometer fahren, heute sind es nur noch etwa 360 Kilometer.

ZEIT ONLINE: Wie viel Zeit verbringen Sie dann an der Ladesäule?

Bröcheler: Wir laden das Fahrzeug nachts in unserer Werkstatt. Wenn ich morgens mit 90 Prozent Ladekapazität losfahre, komme ich gut durch den Tag. Es kommt ganz selten vor, dass ich zwischendurch die Batterie laden muss.

ZEIT ONLINE: Und wenn Sie doch mal Strom brauchen?

Bröcheler: Von Tesla gibt es spezielle Supercharger, die schneller als die normalen Ladestationen die Batterien aufladen. Diese Schnellladesäulen sind kostenlos, liegen aber am Rand der Stadt. Zwei Jahre lang konnten wir überall in München bei den Stadtwerken München kostenlos laden. Jetzt muss man dafür bezahlen – etwa 1,80 Euro pro angefangene Stunde. Alternativ dazu gibt es Ladesäulen, etwa bei Aldi und McDonald's, die mit Solarenergie betrieben werden und eine Stunde frei genutzt werden können. Die Säulen dort haben die verschiedenen Stecker für alle Elektroautos, und gleich daneben können Elektrofahrräder aufgeladen werden. Daran sieht man schon, dass einiges in diese Richtung unternommen wird.

ZEIT ONLINE: Hören Sie auch Sorgen im Bezug auf das elektronische Aufladen?

Bröcheler: In manchen Gegenden kann es schon passieren, dass Lademöglichkeiten fehlen und Ladeplätze besetzt sind. Und es herrscht natürlich eine Unsicherheit, wie sich die Möglichkeiten zum Aufladen des Autos entwickeln und wie lange die Batterien halten werden. Tesla verspricht acht Jahre Garantie, aber welcher Umfang dann wirklich abgedeckt ist, wird man sehen. Es ist ohnehin etwas Besonderes, ein Auto von einem amerikanischen Hersteller zu kaufen, der vorher noch nie etwas mit Autos gemacht hat.

ZEIT ONLINE: Haben schon viele Kunden von Tesla gehört?

Bröcheler: Inzwischen gibt es viele, die ganz genau über Tesla Bescheid wissen. Auf meiner allerersten Fahrt habe ich einen Hotelgast abgeholt, der begeistert "Ein Tesla!" rief. Das war allerdings ein Amerikaner. Der Wiedererkennungswert und die Begeisterung nehmen aber auch hier stetig zu. Neulich habe ich eine Geburtstagsfahrt gemacht. Ein zehnjähriger Junge stand mit seinen Eltern vor meinem Wagen, es war sein größter Geburtstagswunsch, in einem Tesla mitzufahren. Er wusste alles über das Auto: wie viel PS es hat, was der Wagen alles kann. Das war genial!

ZEIT ONLINE: Was fasziniert Ihre Kunden am meisten?

Bröcheler: Wenn meine Fahrgäste einsteigen, fasziniert sie der große Bildschirm. Sie wollen wissen, was dieses augenscheinlich so moderne Auto alles kann. Die ausfahrenden Griffe finden viele super, und sie sind generell vom Stil des Wagens begeistert. Wenn ich in der Fußgängerzone parke, bleiben Leute stehen, wollen sich das Auto ganz genau ansehen und am liebsten alles austesten. Manche notieren sich meine Nummer, damit sie bei ihrer nächsten Taxifahrt im Tesla durch die Stadt fahren können.

ZEIT ONLINE: Geht es bei der Begeisterung denn um Elektromobilität oder eher um Technik und Design?

Bröcheler: Der Umweltgedanke spielt schon bei einigen eine Rolle. Es gibt Kunden, die bewusst mein Taxi bestellen, um in einem Elektroauto fahren zu können. Viele schätzen insbesondere die Initiative von Tesla-Chef Elon Musk, bei der Elektromobilität vorzupreschen – über alle Hürden hinweg. Das beeindruckt sehr, und sie wollen sein Engagement unterstützen.