Nur wenige Stunden war man nicht zu Hause. Aber diese kurze Zeit hat schon gereicht: Die Wohnung wurde durchwühlt, die Schranktüren stehen sperrangelweit auf, die Schubladen sind herausgerissen. Fernseher, Laptops, Handys und die Schmuckschatulle – alles weg. Gefühlt kann fast jeder eine solche Geschichte aus seinem sozialen Umfeld erzählen. Fakt ist: Die Zahl der Wohnungseinbrüche nimmt zu. Im vergangenen Jahr erreichte sie in Deutschland mit 167.000 Fällen einen neuen Rekordwert, zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bei insgesamt 40 Millionen Haushalten ist die Gefahr, dass in die eigene Wohnung eingebrochen wird, damit immer noch gering. Zumal in die Statistik auch die erfolglosen Einbruchsversuche einfließen, sie machen rund ein Drittel aus.

Trotzdem boomt das Geschäft mit Sicherheitstechnik. "Das merken wir ganz stark", sagt Urban Brauer, Geschäftsführer beim Bundesverband Sicherheitstechnik (BHE). Dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau nun Investitionen in Haussicherheit mit vergünstigten Krediten und Zuschüssen fördert – sie diskutierte das bereits länger und hat es gerade beschlossen – war die beste Marketingkampagne, die sich Sicherheitsfirmen hätten vorstellen können. Seit die Zuschüsse im Gespräch sind, wächst das Geschäft der Unternehmen doppelt so stark wie vom Verband BHE prognostiziert.

Zwar könne man Ursache und Wirkung nicht klar benennen, sagt Brauer, aber: "Im Bereich elektronischer Sicherheitstechnik, also bei Videoüberwachung, Alarmanlagen und Einbruchmeldern verzeichneten wir über Jahre ein stagnierendes Geschäft von rund 650 Millionen Euro. Im Jahr 2014 waren es fast 700 Millionen Euro Umsatz." Für das vergangene Jahr ging der Verband von 2,5 Prozent Wachstum aus, tatsächlich aber wurden es fünf Prozent. "Das hört sich nach nicht viel an, aber für eine zuvor stagnierende Branche ist das enorm", sagt Brauer.

Warum die Einbruchszahlen seit neun Jahren zulegen, ist noch ein Rätsel. "Wissenschaftlich gesicherte Aussagen zu den Gründen für diesen Anstieg gibt es nicht", sagt Kriminologe Thomas Feltes von der Ruhr-Universität Bochum, "weil dieses Delikt wegen der niedrigen Aufklärungsquote und der noch niedrigeren Verurteilungsquote extrem schwierig zu analysieren ist. Nur etwa zehn Prozent der als tatverdächtig ermittelten Einbrecher werden später auch verurteilt." In vielen Fällen hält die Polizei einen Einbruch zwar für "aufgeklärt", aber Staatsanwälte und Gerichte beurteilen das anders. Oder es fehlen schlicht Beweise, um die Täter tatsächlich verurteilen zu können. "In Wirklichkeit liegt die Aufklärungsquote damit bei zwei bis drei Prozent", sagt Feltes. Das ist verschwindend gering und macht es für Täter natürlich noch attraktiver, erklärt der Bochumer Kriminologe: "Überregional spielen sicherlich organisierte Diebesbanden aus Osteuropa eine Rolle – allerdings nicht in dem Maße, wie es von der Politik suggeriert wird." Von den Verurteilten ist jeder Dritte ein Drogenabhängiger und ebenfalls jeder Dritte ein Osteuropäer.

Vor allem in den Großstädten, in Hamburg und Nordrhein-Westfalen nehmen laut Statistik die Einbrüche zu. Dort sind die Zahlen um 20 Prozent in die Höhe geschnellt. Die höchste Steigerungsrate pro Kopf vermeldet Bayern, das ansonsten eher am unteren Ende der Rangliste steht, aber neuerdings 28 Prozent mehr Einbrüche zählt. Die Hälfte der Delikte passiert dabei am helllichten Tag zwischen 6 und 21 Uhr. Die Täter suchen also keineswegs immer den Schutz der Dunkelheit, wenn sie sich am fremden Eigentum zu schaffen machen. Sie nehmen sogar in Kauf, vom Hausbesitzer auf frischer Tat ertappt zu werden: Vor allem zur besten Feierabendzeit zwischen 17 und 20 Uhr steigen sie in Häuser und Wohnungen ein.

Man muss allerdings auch sagen, dass die Zahl der Einbrüche schon einmal weitaus höher war. In den neunziger Jahren nach der Wiedervereinigung registrierte die Polizei immerhin knapp 230.000 Einbrüche im Land, also noch einmal 60.000 mehr als jetzt. Im Erfolgsfall erbeuten die Diebe im Schnitt 2.500 Euro. Die tatsächlichen Schäden sind also geringer, als es die großen Zahlen vermuten lassen.