Der Ungleichheitsforscher Branko Milanović plädiert für einen radikalen Neuanfang in der Migrationspolitik. Im Gespräch mit der ZEIT spricht er sich dafür aus, Zuwanderer "rechtlich schlechter" zu stellen als Einheimische. "Man könnte ihnen etwa befristete Aufenthaltsgenehmigungen anbieten: Nach drei oder vier Jahren müssten sie zurück. Oder man legt fest, dass Migranten höhere Steuern bezahlen", sagte Milanović. 

"Wir sollten mit dem Thema Migration pragmatisch umgehen. Wenn ich mein Dorf in Nigeria verlasse, um in London zu arbeiten, weil ich dort mehr Geld verdiene, dann habe ich deshalb noch lange keinen Anspruch auf alle Vergünstigungen, die den Einheimischen zustehen", sagte der Ökonom.

Milanović hofft, durch solche Einschränkungen die Akzeptanz für Einwanderung zu erhöhen. Durch die Maßnahmen werde sich die Bereitschaft in den reichen Staaten erhöhen, Migranten ins Land zu lassen. Dies sei wichtig, weil Migration einen entscheidenden Beitrag im Kampf gegen die globale Armut leisten könne, da die Zuwanderer in den USA oder in Europa mehr verdienten als etwa in Afrika.  

Milanović hat lange für die Weltbank gearbeitet und lehrt heute Volkswirtschaft in New York. Er ist einer der weltweit führenden Experten für Ungleichheit.