Treibstoffdepots, Atomkraftwerke, Bahnverkehr: Frankreichs Gewerkschaften wollen den Druck auf die Regierung wegen der umstrittenen Arbeitsmarktreform noch einmal deutlich erhöhen. Am Donnerstag haben sie zu einem nationalen Aktionstag aufgerufen. In Brest, Rennes und in der Normandie haben am Morgen erste Aktionen begonnen.

Ziel ist eine Blockade von Öleinfuhren. Gewerkschaftsvertreter Gilles Guyomard sagte: "Wir müssen zuschlagen, wo es wehtut." Und das sei dort, wo die Geldbörsen der Bosse seien. Darüber hinaus wollen Beschäftigte von Atomkraftwerken streiken. Kernkraft liefert bis zu 80 Prozent des französischen Stroms.

Die Proteste dauern seit Tagen an und haben in Frankreich bereits gewaltigen Schaden angerichtet: Weil die Gewerkschaftsvertreter Benzindepots und Raffinerien blockieren, geht vielen Tankstellen das Benzin aus. Die Polizei versucht, die Blockaden aufzubrechen und ging am gestrigen Donnerstag mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, die im nordfranzösischen Douchy-les-Mines eine Woche lang ein Treibstoffdepot besetzt hatten.

In der nordfranzösischen Hafenstadt Harfleur protestierten auf dem Hauptplatz zahlreiche Menschen gegen die geplante Arbeitsmarktreform. Sie zündeten Feuerwerkskörper und machten Lärm mit Lufthörnern. Die Aktivisten marschierten dann zu der Brücke Pont de Normandie, die über die Seine bei Le Havre führt. Dort zündeten sie einen Stapel Reifen an und blockierten die Mautstellen.

Premierminister Manuel Valls warnte die Gewerkschaften, nicht noch weiteren Schaden anzurichten. Schon jetzt hätten 20 bis 30 Prozent der französischen Tankstellen kein Benzin mehr. "Diese Situation kann unserer Wirtschaft schaden", sagte Valls. Die Blockaden der Treibstoffdepots seien unverantwortlich. Die Regierung werde weitere Blockaden räumen lassen.

Valls versuchte auch, den Gewerkschaften Kompromisse anzubieten. Es könne "immer Veränderungen und Verbesserungen" an der Gesetzesvorlage geben. Es sei aber ausgeschlossen, den Rahmen der Reform zu ändern. Das Gesetz werde nicht zurückgezogen, machte er noch einmal deutlich.

Längere Arbeitszeiten, einfachere Kündigungen

Mit der Arbeitsmarktreform will die Regierung die Wirtschaft wettbewerbsfähiger und flexibler machen. Arbeitszeiten sollen verlängert, Kündigungen vereinfacht werden. Kritiker erklären, dies laufe nur auf höhere Profite für die Unternehmen hinaus, ohne Jobs zu schaffen. Hinter der Protestkampagne steht die Gewerkschaft CGT.

Präsident François Hollande hatte wiederholt bekräftigt, dass er an den Plänen festhalten werde. Die Regierung hatte die Arbeitsmarktreform ohne Abstimmung in erster Lesung durch das Parlament gebracht. Grundlage ist eine in der Verfassung verankerte Sonderprozedur.