Wohin mit dem Atommüll? Diese Frage wird Experten aller Voraussicht nach noch sehr viel länger beschäftigen, als bislang vorgesehen. Nach Einschätzung der sogenannten Endlagerkommission ist der Zeitplan der Bundesregierung nicht mehr zu halten. Das geht aus dem Abschlussbericht der Kommission zum Zeitbedarf der Endlagersuche hervor.

Bislang war vorgesehen, bis zum Jahr 2031 einen Standort festzulegen. Nach den Plänen des Bundesumweltministeriums sollte die Inbetriebnahme im Jahr 2050 erfolgen. Dies hält die Kommission allerdings für "unrealistisch". Das würde aber auch bedeuten, dass "ein deutlich größerer Zeitbedarf zu erheblichen Problemen" führen würde.

Die Kommission sieht einen Zielkonflikt zwischen größtmöglicher Sicherheit und weitestgehender Beteiligung der Öffentlichkeit auf der einen, und einer kurzen Zeitdauer des Verfahrens auf der anderen Seite. Die Kommission weist zudem darauf hin, dass durch das längere Verfahren auch die Situation an den Zwischenlagerstandorten zu beachten ist.  

Bisher lagert der hoch radioaktive Abfall oberirdisch in Hallen neben aktiven und stillgelegten Atomkraftwerken sowie in den sogenannten zentralen Zwischenlagern in Gorleben, Ahaus und Lubmin. Ein Endlager würde in mehreren Hundert Metern Tiefe errichtet.

Ein längeres Verfahren bei der Endlagersuche würde zusätzliche Milliardenkosten für den Steuerzahler bedeuten, denn die Lagerung des Atommülls in Zwischenlagern würde umso teurer. Seit Monaten verhandeln die Bundesregierung und die vier großen Energieversorger E.on, RWE, EnBW und Vattenfall über die Aufteilung der Kosten für den Rückbau stillgelegter Atomkraftwerke und die Lagerung der Brennstäbe.

Ende April empfahl die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eingesetzte Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs, dass die Atomkonzerne einen Betrag von 23,3 Milliarden Euro für die Lagerung des Atommülls zahlen sollen. Der Staat werde sich um alles weitere kümmern. Der Ablasshandel befreit die Konzerne von jeder zukünftigen Haftung. Nur die Stilllegung und den Rückbau ihrer Kernkraftwerke müssen sie selbst finanzieren.

Bislang sah es so aus, als werde die Bundesregierung der Empfehlung der Kommission folgen. Über die jetzige Erklärung der Bundestagskommission herrscht im Bundesumweltministerium allerdings Erstaunen: Ein Sprecher erklärte auf Anfrage von ZEIT ONLINE: "Wir können dazu noch nichts sagen. Wir warten erst den endgültigen Bericht der Endlager-Suchkommission ab."