Ursprünglich sollte der neue Hauptstadtflughafen BER 2007 in Betrieb gehen. Dann wurde daraus 2011, dann 2012 und schließlich 2013. Unter anderem platzte die Eröffnung wegen Fehlern in der Brandschutzanlage und Mängeln im Abfertigungsgebäude. Derzeit ist eine Eröffnung für 2017 geplant und selbst dieser Termin könnte nach neuesten Problemen wieder in Gefahr geraten. Nach letztem Stand wird der BER voraussichtlich 6,5 Milliarden Euro kosten, ursprünglich war weniger als die Hälfte veranschlagt.

Patrick Pleul/dpa
Berliner Skandal-Flughafen

Berliner Skandal-Flughafen

Der BER und seine Pannen-Serie

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Andreas Rentz/Getty Images
Kraftvoll eine Grube graben

Kraftvoll eine Grube graben

Am 5. September 2006 ist Spatenstich für Europas größte Flughafenbaustelle. Keiner dieser Herren ist heute noch verantwortlich.

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Klaus Wowereit

Klaus Wowereit

am Tag des Spatenstichs

„Wir werden beweisen, dass drei öffentliche Eigentümer so ein Projekt bauen können.“

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Fiktion

Plakatwerbung für den BER hängt überall in der Stadt, die Eröffnungsfeier ist geplant. Vier Wochen vorher wird sie plötzlich doch abgesagt. Wie gut, dass Tegel und Schönefeld noch nicht stillgelegt worden sind.

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Aber wer ist für die steigenden Kosten und zahlreichen Pannen verantwortlich? Politiker, Firmen, Projektmanager? Ein 1.269 Seiten starker Bericht des Untersuchungsausschusses des Abgeordnetenhauses von Berlin attestiert dem Projekt jetzt ein "Verantwortungsvakuum". Demnach sei es zwar nicht kritikwürdig, "dass das Großbauprojekt BER durch eine Vielzahl verschiedener Projektbeteiligter bestritten wurde". In der Rückschau sei diese Tatsache jedoch "durch Projektsteuerung, Bauüberwachung, Generalplanung, Mitarbeiter und Geschäftsführung der Flughafengesellschaft sowie Aufsichtsratsmitglieder" dazu genutzt worden, um "sich von Verantwortung zu befreien und auf die anderen Projektbeteiligten zu verweisen". Grund für das jeweilige Verhalten sei demnach "teils auf mangelnde Loyalität und mangelndes Verantwortungsbewusstsein zurückzuführen, teils auf den verständlichen Drang, sich als Zeuge im Untersuchungsverfahren vor vermeintlich ungerechtfertigten Vorwürfen zu verteidigen".

Doch nicht nur Verantwortungen wurden abgeschoben. Weitere Hauptgründe sind laut Bericht ein "kollektiver Wirklichkeitsverlust" und "mangelnde Kontrolle". Insgesamt habe eine Projektkultur vorgeherrscht, "die Anzeichen für Fehlentwicklungen und teils alarmierende Warnungen externer Stellen systematisch ausblendete". Negative Informationen seien systematisch ignoriert und unterdrückt worden. Schuld tragen also alle und zugleich niemand? Im Bericht heißt es dazu: "Seriöserweise kann jedoch in einem derart komplexen Projekt nur von einer Verflechtung geteilter Verantwortlichkeiten gesprochen werden."

Eine wichtige Frage konnte der Ausschuss nicht abschließend beantworten: Wann hat der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit im Frühjahr 2012 erfahren, wie sehr der Eröffnungstermin im Juni gefährdet war. Im März 2012 hatte die Flughafengesellschaft von der Unternehmensberatung McKinsey ein Schreiben erhalten, das den Eröffnungstermin als stark gefährdet darstellte. Der frühere Geschäftsführer Rainer Schwarz hatte dazu ausgesagt, darüber mit Wowereit am 30. März gesprochen zu haben. Der Regierungschef widersprach, er habe davon erst nach der Absage des Eröffnungstermins am 8. Mai aus der Zeitung erfahren.