In Dresden steht dieser Tage ein hoher Zaun. Er soll vier Tage lang die Mächtigsten der Welt abschirmen. Es ist der Zaun, den die Bundespolizei im vergangenen Jahr angeschafft hatte, um die wichtigsten Staatslenker beim G7 Treffen im Alpenresort Schloss Elmau zu schützen. Doch diesmal ist es kein offizielles Treffen von Staatschefs, das im Dresdner Nobelhotel Taschenbergpalais ab Donnerstagabend stattfindet.

Diesmal ist es das Geheimtreffen der Bilderberg-Konferenz, zu der jährlich 150 sehr einflussreiche Menschen aus der westlichen Welt zusammenkommen. Sie diskutieren die ganz großen Themen der Politik – schon seit 60 Jahren, als die Gruppe sich zum ersten Mal in dem niederländischen Hotel de Bilderberg traf und seitdem den Namen des Ortes übernommen hat. Manche sagen, die Teilnehmer einigen sich dabei regelmäßig auf die Leitlinien der Politik und kungeln eine gemeinsame Weltherrschaft aus.

Wie sie darauf kommen? Man muss sich nur die Liste der Teilnehmer ansehen: Die wird bis kurz vor Beginn der Konferenz streng geheim gehalten – ebenso wie die Themen, über die man vorher ebenfalls nicht spricht. Dennoch sind auch jetzt vor der Dresdener Konferenz einige Namen durchgesickert. Und darauf stehen wieder mächtige Politiker: Allein drei deutsche Minister kommen zum Treffen und die gehören nicht gerade zu den Randfiguren im Kabinett: Es sind Finanzminister Wolfgang Schäuble, Innenminister Thomas de Maizière und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, alle drei CDU. Das bestätigte die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag.

Notenbanker, Staatschefs, Wirtschaftsbosse

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits eine Bilderberg-Konferenz besucht. In diesem Jahr ist sie allerdings nicht dabei. Traditionell stehen mehrere Staatschefs der EU auf der Teilnehmerliste, Notenbankvorstände und Geheimdienstchefs, hochrangige Militärs wie Nato-Generalsekretäre, Lenker der bekanntesten Konzerne und Großinvestoren. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) und Bundespräsident Gauck sollen jedoch ihre Einladungen abgelehnt haben.

Auf jeden Fall mit von der Partie sind wieder Deutsche Bank Aufsichtsrat Paul Achleitner und Airbus-Vorstand Thomas Enders, denn beide gehören zum Lenkungskomitee, das in jedem Jahr darüber entscheidet, wer überhaupt eine Einladung zu dem Treffen bekommt. Ihre Beteiligung an den Bilderbergmeetings ist wenig geheim, ihre Namen stehen sogar auf der Website des Clubs. Und Airbus-Chef Enders scheint dabei eine so wichtige Rolle zu spielen, dass die Konferenz in Dresden ursprünglich als ein "Treffen der Airbus-Group" angekündigt wurde, was dem Hotel und den Behörden signalisierte: Hier geht es um eine Konferenz der höheren Sicherheitsstufe. Wie hoch die wirklich ist, erfuhr die sächsische Landesregierung nach eigenen Aussagen erst im Dezember. Bis April lehnten die zuständigen Behörden jeglichen Kommentar zur Konferenz ab. Die Polizei antwortete lediglich, die "Planungen laufen".

Nicht alle Teilnehmer müssen notwendigerweise einen sehr großen politischen oder wirtschaftlichen Einfluss haben, aber eine deutliche eigene Meinung vertreten oder durch ihre Position sehr gut vernetzt sein. Auch deshalb waren im vergangenen Jahr gleich zwei Vorstände großer deutscher Medienkonzerne unter den Diskutierenden, nämlich Springer-Vorstand Mathias Döpfner und Julia Jäkel, die neue Vorstandsfrau von Gruner + Jahr. Führende Journalisten und Meinungsträger sind häufig zugegen, darunter in der Vergangenheit auch Redakteure der ZEIT. Seit 2012 besuchen sie die Konferenz aber nicht mehr. Wer heute bei der Bilderberg-Konferenz welche Position vertritt, bleibt geheim. Dazu verpflichten sich die Diskutierenden mit ihrer Teilnahme. Sie kommen ausdrücklich als Privatpersonen, vorgeblich ohne jede Bindung an ihre offiziellen Posten. Deswegen pochen sie gegenüber der Öffentlichkeit auf ihr Recht auf Schweigen.

Bilderberg-Vorsitzender: "Ist kein Parlament"

"Es ist eine informelle Gruppe, die über verschiedene Themen spricht und die Diskussion hinter verschlossenen Türen führt, um die Gespräche zu erleichtern", sagte Henri de Castries, Chef des Axa-Versicherungskonzerns und Vorsitzender des Lenkungsausschusses der Bilderberger diese Woche in einem Interview. Dass es sich bei den Konferenzteilnehmern um eine Machtelite handelt, sei nicht relevant. "Es ist kein Parlament, keine operative Organisation." Schließlich würden auch keine Entscheidungen getroffen.

Die Konferenz läuft nach Angaben von de Castries so ab: In einem großen Raum sitzen die Gäste in alphabetischer Reihenfolge. "In einem Jahr ist A vorne, im nächsten Jahr ein anderer Buchstabe", sagt er. Das Format sei sehr klassisch: "Es gibt ein Podium, ein Moderator stellt das Thema vor, dann können ein, zwei, manchmal drei Diskussionsteilnehmer ihre Sichtweisen vorstellen. Und dann gibt es eine offene Diskussion mit dem Saal." Wichtig sei für die Teilnehmer am Ende, dass sie ein breites Bewusstsein für die besprochenen Themen entwickeln. "Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Wir diskutieren seit Jahren über neue Technologien. Vor vielen Jahren war es sehr interessant für mich, dort die ersten Diskussionen um Cybersecurity zu hören", sagte de Castries. Man versuche, die Gäste so auszuwählen, dass sehr verschiedene Sichtweisen gehört würden.