Die Europäische Zentralbank (EZB) wird künftig auch Firmenanleihen kaufen. Ab dem 8. Juni soll damit begonnen werden, teilte die Notenbank in Frankfurt am Main mit. Durch den Ankauf sollen die Zinsen für diese Papiere sinken. So will die EZB Unternehmen dazu bringen, mehr zu investieren, da sie sich günstiger verschulden können. Die erhoffte Folge: Das Wachstum und die Inflation in der Eurozone ziehen an. Die EZB versucht seit Längerem, mit einer extrem expansiven Geldpolitik die Inflation wieder auf den von der Zentralbank angestrebten Zielwert von zwei Prozent zu heben.

Maximal bis zu 70 Prozent einer einzelnen Emission sollen aufgekauft werden. Bei Titeln staatsnaher Unternehmen liegt die Schwelle niedriger. Die Papiere müssen eine Laufzeit von sechs Monaten bis 30 Jahre haben und zudem von den Rating-Agenturen mit einer guten Bonitätsnote eingestuft sein.

In Deutschland läuft eine Verfassungsbeschwerde gegen das Ankaufprogramm. Eine Gruppe von Professoren und Unternehmern kritisiert, dass die EZB damit ihr Mandat überschreitet. Durch den Aufkauf von Unternehmensanleihen werde dem Interesse von kapitalmarktnotierten Unternehmen gefolgt, indem die Finanzierungsbedingungen vergünstigt werden. Das Ifo-Institut hatte kritisiert, die Firmenbonds seien eine Einladung, der EZB Kredite an maroden Unternehmen anzudrehen.

Null-Zins-Politik wird beibehalten

Weiterhin verkündete die EZB, sie werde an der Null-Zins-Politik festhalten. Von dem niedrigen Leitzins von null Prozent sind bisher vor allem Versicherungen betroffen. Er erschwert es zum Beispiel Lebensversicherungen, ihre Zinsversprechen an die Kunden einzuhalten. Als Reaktion auf die Ankündigung der EZB fiel der Aktienkurs des Dax. Nach zeitweise moderaten Gewinnen verlor der deutsche Leitindex 0,32 Prozent und fiel auf 10.172,21 Punkte.

Unverändert bei minus 0,4 Prozent ließen die Währungshüter bei ihrer Sitzung in Wien auch den Strafzins, den Banken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken, anstatt es als Kredite weiterzureichen. Zudem sagte EZB-Präsident Mario Draghi der Eurozone trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs und wieder ansteigender Ölpreise nur eine geringfügige Inflation in diesem Jahr voraus. "Die Inflationsraten werden in den kommenden Monaten niedrig oder sogar negativ sein, bevor sie in der zweiten Hälfte 2016 anziehen."  Für 2017 werden unverändert 1,3 und für 2018 weiterhin 1,6 Prozent Inflationsrate erwartet. Die Zentralbank erachtet eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent für die Wirtschaftsentwicklung als ideal.

Insgesamt erhöht die EZB ihre Konjunkturerwartungen für dieses Jahr leicht. Sie rechnen für das Bruttoinlandsprodukt mit einem Anstieg von 1,6 (bisher 1,4) Prozent. Für 2017 stellen sie weiterhin 1,7 Prozent in Aussicht.