Die Lebensqualität ist hierzulande einer Studie zufolge deutlich gestiegen. Deutschland erreicht in einem internationalen Index der Beratungsfirma Boston Consulting Group sein bisher bestes Ergebnis und macht im Ranking so viele Plätze gut wie kein anderes westeuropäisches Land. Die Bundesrepublik belegte noch im Vorjahr Rang elf, jetzt rückt sie mit Platz vier in die weltweite Spitzengruppe vor. Die Studie lag ZEIT ONLINE vorab vor.

"Deutschland hat sich in puncto Lebensqualität enorm verbessert", sagt Heinrich Rentmeister, Partner von Boston Consulting. "Dass es als bevölkerungsreichstes Land Europas so nah an die Top-drei-Länder Norwegen, Niederlande und Finnland herangerückt ist, ist eine beachtliche Leistung." Der Index zeige, dass Deutschland besonders gut bei Einkommen, Arbeitsmarktsituation und Bildung abschneide. "Hier wird der positive Einfluss der guten Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland sichtbar, während andere große Länder Europas wie etwa Frankreich, Italien und Spanien deutlich zurückgefallen sind", sagt Rentmeister.

Nicht in jedem Land sei allein eine positive wirtschaftliche Entwicklung entscheidend für eine gute Lebensqualität. Deutschland könne im internationalen Vergleich seine Wirtschaftsleistung besonders gut für die gesamte Bevölkerung nutzen, heißt es in dem Report. Anders als etwa Saudi-Arabien: Das vergleichsweise hohe Bruttoinlandsprodukt des Ölstaates habe bisher noch nicht zu einer hohen Lebensqualität der Gesamtbevölkerung geführt, nur ein kleiner Teil der Menschen profitiere vom Reichtum des Landes.

Verbesserungsbedarf bei Infrastruktur

Aber auch in Deutschland besteht der Studie zufolge Verbesserungsbedarf – besonders was Investitionen in die Infrastruktur angeht. "Deutschland muss noch stärker in eine moderne und zukunftsfähige Verkehrs- und digitale Infrastruktur investieren, um langfristig Wettbewerbsfähigkeit, ökonomische Stabilität und Wohlstand sicherzustellen", sagt Heinrich Rentmeister.

Im globalen Wettbewerb liegt dem Report zufolge Westeuropa weiterhin klar vorn: Norwegen sei das Land mit der höchsten Lebensqualität, gefolgt von den Niederlanden und Finnland. Ebenfalls im Top-Segment liegen demnach neben Deutschland die Nachbarländer Österreich, Dänemark und die Schweiz. Andere westeuropäische Länder wie Frankreich (Platz 20), Italien (Platz 37), Portugal (Platz 30) und Griechenland (Platz 34) seien allerdings weiter zurückgefallen. Der Grund hierfür sei vor allem die hohe Arbeitslosigkeit in diesen Ländern. Die USA als wichtigste Wirtschaftsnation der Welt schaffe es lediglich auf Platz 19, zwei Positionen schlechter als im Vorjahr.

Für ihren sogenannten Wohlergehensindex vergleicht Boston Consulting die Lebensqualität in 163 Ländern anhand eines umfassenden Kriterienkatalogs wie Einkommen, wirtschaftliche Stabilität, Arbeitsmarkt, Bildung und Infrastruktur. Das Ranking wird seit 2012 jährlich ermittelt.