ZEIT ONLINE: Angesichts all Ihrer Pläne für Steuern, Bußgelder, Grenzen und Verbote kann man schon den Vorwurf voraussehen: Er will die Ökodiktatur!

Kopatz: Was für ein Unsinn. Die Geschichte der gesamten Zivilisation ist eine Geschichte der Fortschreibung von Regeln. Sich ständig darauf zu einigen, wie diese Regeln neu angepasst werden müssen, macht eine funktionierende Demokratie aus. Bisher hat der Staat mit seinen Regeln allerdings Naturzerstörung subventioniert. Die Leute wurden zum Beispiel mit der Pendlerpauschale und anderen Anreizen dahin gelenkt, ein Eigenheim zu bauen. Der Staat zwingt sie sogar dazu, einen Parkplatz zu finanzieren. Mit autoritärem Gehabe hat er Straßen durchgesetzt – immer mit der Begründung, das diene dem Gemeinwohl. Gegen diese erheblichen Eingriffe sind die Ansätze der Ökoroutine geradezu niedlich.

ZEIT ONLINE: Trotzdem: Viele werden Ihnen vorwerfen, dass Sie die Freiheit der Bürger beschränken wollen.

Kopatz: Da frage ich mich allerdings, wessen Freiheitsrechte gemeint sind. Nur meine und die meines Nachbarn? Oder auch die zukünftiger Generationen? Die meisten Menschen würden sich, wenn man sie fragt, für Enkeltauglichkeit entscheiden.

ZEIT ONLINE: Aber auch als die Grünen aus diesem Motiv den Veggieday forderten, gab es sofort einen öffentlichen Aufschrei – und die Umweltpartei machte einen Rückzieher.

Kopatz: Leider wird über diese politische Ungeschicklichkeit, die wieder das Verhalten des Einzelnen adressiert, deutlich mehr diskutiert als zum Beispiel über die beschriebene langfristige Agrarwende oder über Verkehrspolitik. In Deutschland wird einfach viel zu viel geflogen. Flugzeuge werden künftig ein bisschen effizienter, aber nur wenn wir die Zahl der Flüge begrenzen, geht der Verbrauch zurück. Und wenn wir als gesamte Gesellschaft eine Obergrenze ziehen, dann wird der Einzelne kaum merken, wie er sein Verhalten schrittweise ändert.

ZEIT ONLINE: Doch, er merkt es. Denn die Flugpreise werden steigen.

Kopatz: Selbst wenn das so wäre: Solange wir den Wandel über viele Jahre hinweg langfristig vorantreiben, steigt der Preis in so kleinen Schritten, dass sich die Menschen anpassen können.

ZEIT ONLINE: Aber viele müssen wirklich mit jedem einzelnen Cent rechnen. Die scheinen Sie zu übersehen, wie so viele Grüne.

Kopatz: Der Warenkorb für Sozialhilfeempfänger wird ja nach den aktuellen Ladenkosten berechnet. Die Zuwendungen an die Allerärmsten würden also angepasst. Außerdem haben wir längst eine Klassengesellschaft. Nehmen Sie die Ernährung: Nur die Eliten können sich Bio leisten. Mit einem langfristigen Agrarwendeprogramm würde der Bio-Anteil auf hundert Prozent steigen. Gerade die Idee der Ökoroutine ist fair und solidarisch. Auch an ein Tempolimit müssten sich alle halten, ob SUV, Porsche oder Panda.