Obwohl Deutschland zu den reichsten Ländern der Welt gehört, haben Millionen Menschen private Schulden. Die Ursache dafür war im Jahr 2015 in 20 Prozent aller Fälle der Verlust des Arbeitsplatzes. Das gab das Statistische Bundesamt in seiner neuen Überschuldungsstatistik bekannt. Auch Krankheit, Sucht oder die Folgen eines Unfalls führen zu Überschuldung. Jeder siebte der 647.000 Schuldner suchte aus einem dieser Gründe im vergangenen Jahr bei einer Insolvenzberatungsstelle Hilfe.

"Es fällt auf, dass in der Regel unplanbare und gravierende Änderungen der Lebensumstände als Hauptauslöser genannt werden, die außerhalb der unmittelbaren Kontrolle der Überschuldeten liegen", sagte Dieter Sarreither, Präsident des Statistischen Bundesamtes.

In 15 Prozent der Fälle führten gesundheitliche Probleme zu finanziellen Schwierigkeiten. Weitere 14 Prozent der Beratungen waren wegen der finanziellen Folgen einer Trennung oder des Todes des Partners nötig. Überschuldung durch unangemessenes Konsumverhalten – das in der Statistik als "unwirtschaftliche Haushaltsführung" bezeichnet wird – wurde lediglich in elf Prozent aller Fälle als Hauptursache festgestellt.

Alleinlebende Männer sind am häufigsten verschuldet

In der Überschuldungsstatistik wird unter anderem nach Geschlecht, Berufstätigkeit und Lebenssituation unterschieden. 2015 nahmen fast genauso viele Männer (53 Prozent) wie Frauen (47 Prozent) Dienste der Beratungsstellen in Anspruch. Unter allen Personen stellten aber alleinlebende Männer mit 30 Prozent die größte Gruppe. Im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung, der knapp 20 Prozent ist, waren sie stark überrepräsentiert. Ebenfalls überproportional häufig in Beratung waren alleinerziehende Frauen. Sie machten knapp 15 Prozent aus. Paare ohne Kinder waren vergleichsweise selten überschuldet.

Für die Statistik haben die Experten anonymisierte Daten zu 113.000 Privatleuten ausgewertet, die 2015 die Hilfe einer der 1.400 Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in Anspruch genommen haben. Nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände stecken bundesweit sechs bis sieben Millionen Menschen in der Schuldenfalle.

2014 hatten die Betroffenen, die sich an eine Beratungsstelle gewandt hatten, durchschnittlich Schulden in Höhe von 34.504 Euro. Im Jahr zuvor lagen die Verbindlichkeiten nach Angaben des Bundesamtes im Schnitt bei 32.996 Euro.