Das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 könnte noch teurer werden als bislang bekannt. Nach Medienberichten könnte es die Steuerzahler und die Deutsche Bahn bis zu zehn Milliarden Euro kosten. Davon geht der Bundesrechnungshof nach Informationen von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten nach mehr als dreijährigen Prüfungen aus. Auch viele vertrauliche DB-Unterlagen seien gesichtet worden. Bisher sind offiziell 6,5 Milliarden Euro veranschlagt. 

Für Stuttgart 21 wird der Kopfbahnhof in der Landeshauptstadt in eine unterirdische Durchgangsstation umgebaut und diese an eine neue Schnellbahntrasse Richtung Ulm angebunden. 2021 sollen die ersten Züge in den Tiefbahnhof rollen. Proteste unter anderem gegen das Roden von Bäumen für Stuttgart 21 hatten bundesweit für Aufsehen gesorgt. Im Jahr 2010 waren mehr als 100 Demonstranten durch einen harten Polizeieinsatz verletzt worden. 

Nach Angaben der Zeitungen hat der Bundesrechnungshof die Bundesregierung bereits gewarnt, dass es Mehrkosten gebe, deren Finanzierung in Milliardenhöhe völlig ungeklärt sei. Ende 2015 hatte ein Münchner Verkehrswissenschaftler die Gesamtkosten auf 9,8 Milliarden Euro geschätzt. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann von den Grünen bezeichnete das als "nicht völlig unrealistisch". Den Zeitungen zufolge hatte die Bahn diese Zahlen zunächst bestritten, später aber eine ähnliche Größenordnung angegeben.

Die vorläufige Prüfmitteilung sei der Bundesregierung zugeleitet worden, eine letzte Stellungnahme aus dem Haus von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) müsse noch eingearbeitet werden. 

In der Regierungskoalition und einigen Bundesländern wachse derweil der Ärger wegen des überteuerten Projekts, schreiben die Zeitungen weiter. Wegen der hohen Kosten von Stuttgart 21 könnten andere Verkehrsvorhaben nicht umgesetzt werden. Der Bahnexperte der Grünen im Bundestag, Matthias Gastel, warnte, dass S21 zum "Fass ohne Boden" für den Bund und die Finanzierung von Schienenprojekten bundesweit werden könnte.