Die Europäische Union verhandelt mit den USA und Kanada jeweils getrennt Freihandelsabkommen. Während TTIP von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel bereits als faktisch gescheitert erklärt wird, soll Ceta, das Abkommen mit Kanada, noch im Herbst dieses Jahres in Kraft treten. Damit käme TTIP durch die Hintertür, heißt es von Kritikern. 

Was haben beide geplante Vereinbarungen gemein, worin unterscheiden sie sich? Wer profitiert von den Abkommen? Haben die Europäer bei Ceta Zugeständnisse gemacht, die sie bei TTIP nicht geben wollten? Während das Ceta-Abkommen ausverhandelt ist und komplett vorliegt, sind bei TTIP nur einige Bereiche abgeschlossen, vieles wurde gar nicht öffentlich gemacht.

Was versprechen sich die Befürworter von den Abkommen?

Sowohl bei Ceta als auch bei TTIP betonen beide Seiten die gemeinsamen Werte, die dadurch vertieft würden. Beide Abkommen sollen unter anderem Handelshemmnisse abschaffen und den Unternehmen vereinfachten Zugang zum jeweils anderen Markt ermöglichen. Das bedeutet zum Beispiel weniger Zölle, gleiche Normen bei Produkten und internationale Ausschreibungen. Konsumenten sollen dank des Abkommens ein größeres Warenangebot vorfinden und niedrigere Preise zahlen. Zudem sollen Arbeitsplätze entstehen. Unterschiedliche Institute sagen voraus, dass durch TTIP die Bruttoinlandsprodukte in den USA und der EU in den kommenden zehn Jahren mindestens um 0,4 beziehungsweise 0,5 Prozentpunkte wachsen. Die gewerkschaftsnahe Böckler-Stiftung hält die Wachstumsprognosen und Voraussagen über neue Jobs in einer Studie dagegen für Märchen.

Dass Freihandel grundsätzlich wohlstandssteigernd wirken kann, ist kaum umstritten. Allerdings handeln die USA und Europa schon viel miteinander – wie viel mehr würde das durch TTIP? Die Wirtschaftsleistung der EU und der USA macht zusammen fast die Hälfte des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus und entspricht einem Drittel des Welthandels. 2014 war die EU stärkster Warenhandelspartner der USA. Die USA waren mit einem Anteil von 18,3 Prozent der gesamten EU-Warenausfuhren das wichtigste Exportziel der Union und der zweitgrößte Exporteur in die Union.

Etwas anders wäre es mit Ceta: Kanada belegt lediglich den zwölften Platz unter den wichtigsten Handelspartnern der EU. Die Europäer sind hingegen zweitwichtigster Handelspartner der Kanadier. Große Bedeutung in den Wirtschaftsbeziehungen haben Direktinvestitionen, die durch das Abkommen besser abgesichert werden sollen. Die EU ist zweitgrößter Direktinvestor in Kanada, umgekehrt liegt Kanada bei den Europäern auf Platz vier.