Für gut ein Drittel der jungen Menschen weltweit steht die eigene Nationalität nicht im Vordergrund ihrer Identität. Laut einer Umfrage des World Economic Forum begreifen sich 36 Prozent der Befragten zwischen 18 und 35 Jahren zuallererst als Weltbürger. Nur für 22 Prozent ist die Staatsangehörigkeit das wichtigste normative Merkmal ihrer Persönlichkeit. Weniger als zehn Prozent identifizieren sich hingegen über Religion oder philosophische Ansichten.

Für das jährliche Global Shapers Survey hat das World Economic Forum weltweit 26.600 Menschen aus 180 Ländern befragt, um ein umfassendes Bild der sogenannten Generation der Millennials zu erhalten. Die 18- bis 35-jährigen Teilnehmer entstammen unterschiedlichen Bildungs- und Einkommensschichten.

Zu den größten Problemen in ihren Ländern zählen die Befragten mangelnde staatliche Verantwortung, fehlende Transparenz und Korruption. 57 Prozent nannten dies an erster Stelle. Der Mangel an ökonomischen Chancen, Beschäftigung und Bildungschancen waren für etwa ein Drittel der jungen Menschen die größten Probleme. Regionale Unterschiede zwischen den Befragten gab es in Europa, Asien oder Amerika kaum, nur für die Menschen in Australien und die Inselwelt des Pazifiks stehen der Klimawandel und die Zerstörung natürlicher Ressourcen an erster Stelle der größten Probleme.

Fragt man jedoch nach den größten Problemen weltweit, ergibt sich ein anderes Bild. Hier sagen 45 Prozent der Millennials, dass der Klimawandel die größten Schwierigkeiten bereite. An zweiter Stelle stehen Kriege und große Konflikte, wobei sich auch hier regionale Unterschiede in der Wahrnehmung abzeichnen. Für die Befragten im Mittleren Osten und Nordafrika, aber auch in Osteuropa und Vorderasien sind Kriege und große Konflikte die größten Probleme weltweit. In Nord- und Südamerika hingegen wurde Armut am stärksten genannt.

Die Umfrage zeigt überdies, dass junge Menschen weltweit neuen Technologien gegenüber durchaus aufgeschlossen sind, auch wenn sie Vorbehalte vor allem in Datenschutzfragen äußern. 86 Prozent glauben demnach, dass Technologie neue Jobs schafft, statt Jobs zu zerstören. Auch rechnen 64 Prozent damit, dass für sie persönlich zuallererst die Arbeitswelt durch neue Technologien beeinflusst wird, Studium, Reisen, Lebensstil hingegen werden weit weniger häufig genannt. Die wenigsten glauben, dass Partnerschaft und Familie von der Digitalisierung stark betroffen sind.

Millennials weltweit für gleichgeschlechtliche Ehe

Junge Menschen scheinen sich der Risiken der neuen Technologien bewusst zu sein. 73 Prozent gaben an, schon einmal wegen Datenschutzbedenken eine App nicht heruntergeladen oder deinstalliert zu haben. Für den nächsten großen Digitaltrend halten 45 Prozent der Befragten künstliche Intelligenz.

Auch in Geschlechterfragen hegt die junge Generation weltweit durchaus liberale Ansichten. Jeweils mehr als die Hälfte der Befragten äußerte, er oder sie würde sich wohlfühlen, wenn direkte Vorgesetzte, Firmenchefs und Regierungsschefs Frauen wären. Bemerkenswert dabei: Unter männlichen wie weiblichen Befragten ergaben sich fast die gleichen Ergebnisse.

Millennials weltweit unterstützen mehrheitlich auch die gleichgeschlechtliche Ehe: 53 Prozent der Befragten sind dafür. Wenn allerdings die Umfrage in Bezug zum Entwicklungsgrad des jeweiligen Landes gesetzt wird, zeichnet sich ab: Je ärmer das Land, desto weniger Zustimmung. Besonders im Mittleren Osten und Nordafrika lehnt unter den jungen Befragten eine Mehrheit die gleichgeschlechtliche Ehe ab.