In Deutschland arbeiten immer mehr Menschen in Leiharbeit. Mit 961.000 Leiharbeitnehmern gab es im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand, wie eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken zeigt.

Im Jahr 2014 waren es noch rund 50.000 Leih- oder Zeitarbeiter weniger als 2015. In den Jahren davor schwankten die Zahlen zwischen 610.000 und 910.000. Insgesamt gibt es in Deutschland gut 43 Millionen Erwerbstätige.

Die Zahl der Zeitarbeiter könnte weiter zunehmen: Das Integrationsgesetz sieht vor, dass künftig Flüchtlinge ab drei Monaten Aufenthalt in Deutschland als Leiharbeiter arbeiten können. Leih- oder Zeitarbeit ist unter anderem dafür vorgesehen, dass Betriebe bei vorübergehend guter Auftragslage mehr Personal einstellen können. Die Konjunktur in Deutschland zog zuletzt weiter an.

Das mittlere Bruttogehalt von Leiharbeitnehmern lag laut den vorliegenden Zahlen bei 1.700 Euro und damit deutlich unter dem Gehalt anderer Beschäftigter. "Im Vergleich dazu lag das Medianentgelt bei allen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten bei 2.960 Euro", hieß es von der Bundesregierung.

Zwei von drei Leiharbeitern arbeiteten zuletzt zu besonders niedrigen Löhnen. Sie lagen unter der Niedriglohnschwelle von rund 1.970 Euro. Also unter dem Lohn, der zwei Drittel des mittleren Gehalts der Beschäftigten insgesamt beträgt. 5,7 Prozent der Leiharbeitnehmer haben sogar Anspruch auf ergänzende Leistungen. Sie stocken ihr Gehalt mit Hartz IV auf.

Leiharbeit vor allem im Maschinen- und Fahrzeugbau

Jedes vierte Leiharbeitsverhältnis besteht neun Monate oder länger. 15 Prozent dauern 15 Monate, 12 Prozent mehr als 18 Monate.

Vor allem im Maschinen- und Fahrzeugbau greifen Hersteller auf Leiharbeit zurück. Insgesamt beschäftigte die Metall- und Elektroindustrie mit 36 Prozent die meisten Leiharbeitskräfte. Allein im Maschinenbau sind 11 Prozent aller Leiharbeiter beschäftigt, im Fahrzeugbau 10 Prozent.

"Das Zweiklassensystem im Betrieb hat sich leider etabliert", sagte der Vorsitzende der Fraktion Die Linke, Klaus Ernst. Er warf Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) vor, ihre geplante Reform diene nicht im Ansatz dem Schutz der Leiharbeitnehmer. Trotz Reform werde fast niemand von einer besseren Entlohnung profitieren. "Die Ministerin streut den Betroffenen nur Sand in die Augen."

Entwurf für Gesetzesänderung

Nahles' Entwurf sieht vor, dass Leih- oder Zeitarbeitnehmer künftig nach neun Monaten genauso wie die Stammbelegschaften bezahlt werden. Sie sollen längstens 18 Monate in demselben Betrieb arbeiten dürfen, ohne von diesem übernommen zu werden. Abweichungen per Tarifvertrag sollen möglich bleiben, auch für nicht tarifgebundene Unternehmen der betreffenden Branche.

Das Thema dürfte auch bei den Haushaltsberatungen des Bundestags am Donnerstag eine Rolle spielen. Dann wird der Etat der Arbeitsministerin beraten. Voraussichtlich noch im September sollen die parlamentarischen Beratungen eines Gesetzentwurfs von Nahles' zur Eindämmung von Missbrauch bei Leiharbeit und Werkverträgen beginnen.