Der Audi-Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler steht nicht im Brennpunkt der Ermittlungen zum Diesel-Skandal, von dem auch die Volkswagen-Tochter massiv betroffen ist. Wie das Handelsblatt berichtet, haben die Ermittler der US-Kanzlei Jones Day "keine Verdachtsmomente" gegen Stadler in Erfahrung bringen können. Auch die Deutsche Presse Agentur erfuhr aus Aufsichtsratskreisen, dass Stadler in Sachen Mitwisserschaft keine Angriffsfläche bietet. "Der steht wirklich nicht mit brennendem Kittel da", wird ein Insider zitiert.

Gleichwohl muss sich Stadler aber Fragen über sein Krisenmanagement gefallen lassen. Nach Informationen des Spiegel hielt Jones Day dem Audi-Chef bei den jüngsten Befragungen vor, in einer Präsentation zum Skandal vor den Behörden in den USA Unterlagen zurückgehalten zu haben. Details dazu nennt das Magazin nicht, berichtet aber darüber hinaus, dass sich die Volkswagen-Aufsichtsräte darauf verständigt haben, Stadler auf seinem Audi-Vorstandsposten zu belassen.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die VW-Tochter tiefer in den Abgasskandal verstrickt ist als bislang bekannt. Mehrere Medien hatten unter Berufung auf die ermittelnde Kanzlei berichtet, dass vier hochrangige Motoren-Entwickler des Unternehmens beurlaubt worden seien, weil sie eine illegale Software für den Drei-Liter-TDI-Dieselmotor entwickelt oder davon gewusst haben sollen. Audi-Ingenieure sollen den Betrug bei VW maßgeblich begleitet und unterstützt haben.

"Ganz ohne Bescheißen" gehe es nicht

Die Ermittler fanden demnach zahlreiche Unterlagen, die den Betrug belegen sollen. Ein zentrales Fundstück sei eine E-Mail aus dem Jahr 2007. Darin habe ein Audi-Ingenieur an einen größeren Kreis von Audi-Managern hinsichtlich der strengen Abgaswerte in den USA geschrieben: "Ganz ohne Bescheißen" werde man es nicht schaffen.

Anders als Stadler soll sein Vorstandskollege Stefan Knirsch hierbei eine zentrale Rolle gespielt haben. Ende 2015, also erst nach Aufdeckung des Skandals, war er zum neuen Technikvorstand berufen worden – und soll jetzt seinen Posten wegen Mitwisserschaft wieder räumen. Die Beweislage gegen Knisch sei "erdrückend", er bestreite aber die Vorwürfe, hieß es in jüngsten Medienberichten. 

Audi wollte sich bislang nicht offiziell zu den Vorwürfen äußern. Ein Sprecher verwies lediglich auf das Schweigegebot der US-Justiz, dem das Unternehmen unterliege. Auch Volkswagen hält sich bedeckt und gab bislang auch noch keinen Zwischenstand zu den Erkenntnissen von Jones Day bekannt. Im April erklärte das Unternehmen, die Veröffentlichung wäre derzeit mit "unvertretbaren Risiken" verbunden und werde deshalb unterlassen. Insbesondere die Zusammenarbeit mit dem gegen VW klagenden US-Justizministerium könne sonst "nachhaltig beeinträchtigt" werden.