Als vor drei Jahren beim Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mehr als 1.000 Menschen ums Leben kamen, gelobten die internationalen Modekonzerne Besserung. Rana Plaza war der größte Fabrikunfall in der Geschichte des Landes. Schon drei Wochen danach unterzeichneten Gewerkschaften und Branchenvertreter einen Aktionsplan, der besseren Brandschutz und mehr Gebäudesicherheit bringen sollte. Doch seither sind immer wieder Fabrikgebäude in Brand geraten oder eingestürzt, und Menschen starben.

Der jüngste Fall, das schwerste Unglück seit Rana Plaza, ereignete sich am Samstagmorgen vor einer Woche im Industriegebiet Tongi, rund 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt Dhaka. Nach einer Explosion brach dort beim Verpackungshersteller Tampaco Foils ein Feuer aus. Zu den Kunden von Tampaco gehören auch internationale Konzerne wie Nestlé und British American Tobacco.

Es dauerte mehr als 30 Stunden, den Großbrand zu löschen. Das vierstöckige Gebäude stürzte ein. Die Bilanz, eine Woche danach: 34 Menschen verbrannten, erstickten oder wurden erschlagen; am Freitag suchten Rettungskräfte in den Trümmern noch nach acht Vermissten. 34 Verletzte befanden sich zum gleichen Zeitpunkt noch im Krankenhaus.

Der Fabrikbesitzer Syed Mokbul Hossain, ein ehemaliger Parlamentsabgeordneter, ist untergetaucht. Gegen ihn wird ermittelt. Der Vater einer bei dem Brand ums Leben gekommenen Arbeiterin hat ihn und sieben weitere Führungskräfte der Fabrik angezeigt, und der lokalen Zeitung Daily Star zufolge hat die Polizei Hinweise auf Fahrlässigkeit gefunden. Hossain soll Bau- und Sicherheitsvorschriften missachtet haben. Der Industrieminister von Bangladesch, Amir Hossain Amu, kündigte an, "strikt gegen die Verantwortlichen vor(zu)gehen".

Konzerne sollen haften

Menschenrechtler fordern nun, die ausländischen Unternehmen noch stärker in die Pflicht zu nehmen, denn diese täten immer noch zu wenig. "Die Realität zeigt, dass der hohe Preisdruck und die Einhaltung der Menschenrechte nicht immer zusammengehen", sagt Carolijn Terwindt vom European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR), das auch die Klage von vier Betroffenen eines Fabrikbrands in Pakistan gegen den Textildiscounter KiK vor einem Gericht in Dortmund unterstützt. 

Das ECCHR will, dass die ausländischen Kunden der unsicheren Fabriken juristisch für etwaige Unglücke haften. "Eine rechtliche Haftung macht Unfälle auch zu einem finanziellen Risiko für die Käufer", sagt Terwindt. Sie "gehört deshalb dazu", wolle man solche Unfälle künftig vermeiden. Freiwillige Abkommen und Entschädigungszahlungen reichen aus Sicht des ECCHR nicht aus.  

Brandschutzaudit bestanden

Eine Nestlé-Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur Reuters, gegen Ende des  Jahres 2012 habe Tampaco ein von unabhängigen Inspektoren vorgenommenes Brandschutz- und Sicherheitsaudit bestanden. Nestlé sei derzeit gerade dabei gewesen, ein neues Audit zu organisieren. Ein Sprecher von British American Tobacco sagte, man wolle das Ergebnis der offiziellen Untersuchungen abwarten, bevor man den Fall kommentiere. Im Moment konzentriere man sich darauf, Tampaco Nothilfe anzubieten. 

Auf seinen Internetseiten stellt sich Tampaco Foils als verantwortungsvolles Unternehmen dar, das seine Angestellten monatlich in Sicherheitsfragen trainiert, sie an Entscheidungen beteiligt und ihren Kindern den Schulbesuch bezahlt.