Die EU-Kommission hat auf heftige Kritik an der Neuregelung der Handykosten im Ausland reagiert: Der Vorschlag, wonach Anbieter kostenfreies Roaming im EU-Ausland auf 90 Tage befristen können, soll überarbeitet werden. Dies habe Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angeordnet, teilte seine Behörde mit.

Der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, Manfred Weber, wertet die Entscheidung der Kommission als einen Erfolg der Abgeordneten. "Der Druck aus der EVP-Fraktion trägt Früchte." Sie kämpfe für eine Lösung ohne "viele Hintertüren".

Die Neuregelung soll Mitte 2017 kommen. Angekündigt war sie als Wegfall der Roaminggebühren, auch wenn Einschränkungen stets vorgesehen waren. Die Kommission, die die Details ausarbeiten sollte, hatte diese Woche vorgeschlagen, dass Anbieter nur mindestens 90 Tage pro Jahr ohne Zusatzkosten fürs mobile Telefonieren im Ausland gewähren müssen. 

Die EU-Staaten und das Europaparlament hatten den weitgehenden Wegfall der Gebühren im vergangenen Jahr beschlossen, die konkrete Umsetzung der ab Sommer 2017 geltenden Regelung aber zunächst offengelassen. Die 90-Tage-Deckelung ist ein Zugeständnis an die Netzbetreiber. Mit den Einschränkungen wollte die Kommission verhindern, dass Kunden bei einem billigeren ausländischen Anbieter einen Vertrag abschließen, ihn aber nur im Heimatland nutzen.

Verbraucherschützer hatten die geplante Regelung kritisiert. Dadurch werde das versprochene Ende der Roaminggebühren nicht erfüllt, sagte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller. Die 90-Tage-Deckelung verhindere einen gemeinsamen Binnenmarkt in der Telekommunikation. Zudem werde der Wettbewerb leiden.