Als Barack Obama im ersten Jahr seiner Präsidentschaft eine umfassende Gesundheitsreform durch den Kongress brachte, jubelten Millionen Linksliberale in den USA. Endlich, so dachten sie, hatten sie einen Präsidenten, der sich traut, dem Neoliberalismus etwas entgegenzusetzen und der gesamten amerikanischen Bevölkerung eine medizinische Grundversorgung zu sichern.

Viele schlossen auch aus Überzeugung eine Obamacare-Police ab. Doch so mancher dürfte dies inzwischen bereut haben. Wer wirklich krank ist und nur durch Obamacare versichert, hat ein ernsthaftes Problem. Medizinische Notversorgung ist noch beinahe eine Übertreibung für die Leistungen, die Obamacare-Versicherungen gewährleisten.

Ärzte behandeln die Obamacare-Patienten nur ungern. Wenn sich Therapien, Diagnosemethoden oder Verschreibungen vermeiden lassen, werden sie auch vermieden. Auf Termine bei Spezialisten wartet man Monate. Und wenn man dann endlich dran kommt, trägt man einen Großteil der Kosten oft trotzdem noch selbst.

"Nicht annähernd wie gedacht"

Kurz vor dem Ende von Obamas Präsidentschaft zeigt sich, wie groß die Probleme mit dem Projekt Gesundheitsversorgung für alle sind, was eigentlich der größte innenpolitische Erfolg und das Vermächtnis des Präsidenten Obama sein sollten. "Obamacare stellt sich nicht annähernd als jene umfassende Reform des amerikanischen Gesundheitswesens heraus, als die sie gedacht war", urteilte die New York Times kürzlich. "Die Reform ist etwas viel Kleineres, Bescheideneres: eine moderate Unterstützung für eine kleine Gruppe amerikanischer Bürger mit niedrigen Einkommen."

Kern des Afforodable Care Act, wie das Obamacare-Gesetz offiziell heißt, waren sogenannte Versicherungsbörsen der US-Bundesstaaten. Die Versicherungsgesellschaften waren dazu angehalten, günstige Produkte für diese Börsen zu entwickeln. Auf den staatlichen Websites konnte der Verbraucher diese Policen dann vergleichen und eine aussuchen. Für bestimmte Einkommensgruppen waren staatliche Zuschüsse verfügbar. Der Wettbewerb der Produkte sollte zusätzlich die Preise drücken.

Die Idee schien damals sinnvoll, ein guter Kompromiss zwischen freier Marktwirtschaft und umfassender Versorgung. Doch in ihrer vierten Saison stehen die Börsen vor dem Zusammenbruch.

Mehr als 75 Prozent der Versicherungen, die auf diesem Markt angeboten werden, schreiben Verluste. Die Versicherungsbranche verlor 2014 etwa 2,7 Milliarden Dollar durch die Obamacare-Policen, 2015 war die Summe beinahe doppelt so groß. Für das kommende Jahr haben viele Versicherer den Ausstieg angekündigt. Andere erwägen dramatische Prämienerhöhungen von bis zu 60 Prozent. Obamas Gesundheitsreform stehe am Scheideweg, schreibt auch das US-Magazin Politico.