Die Zahl der Reichen nimmt weltweit zu – gleichzeitig werden Reiche immer mehr. Das zumindest behauptet eine Studie. "Mehr Personen partizipieren also an einem durchschnittlichen Reichtum, aber gleichzeitig entfernt sich die Spitze der Verteilungspyramide immer weiter von diesem Durchschnitt", heißt es im Global Wealth Report 2016 der Allianz.

Ende 2015 galten demnach weltweit etwa 540 Millionen Menschen als reich und damit gut 100 Millionen oder 25 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Allerdings gehören deutlich weniger Menschen aus den Industrieländern zu den Menschen mit einem Vermögen von mehr als 42.000 Euro. Der Anteil an Europäern, US-Amerikanern und Japanern in der Oberklasse ist von 90 Prozent auf 66 Prozent zurückgegangen. Trösten können sich alle Reichen damit, dass ihre Vermögen in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich größer geworden sind.

Auch die Menschen, die zur Mittelklasse gehören, sind der Erhebung zufolge weltweit mehr geworden. Allerdings gilt das vor allem in den Schwellenländern, allen voran China. In den USA und den Eurokrisenländern ist die Mittelschicht hingegen geschrumpft, während sie in Deutschland konstant geblieben ist. Während in den Industrieländern grundsätzlich vom Schrumpfen der Mittelklasse gesprochen werden könne, gelte das weltweit nicht, heißt es in der Studie.

Der Anteil der Unterklasse an der Weltbevölkerung sei entsprechend in den vergangenen Jahren 16 Jahren auf 69 Prozent zurückgegangen. Im Jahr 2000 seien es noch 80 Prozent gewesen. Immer noch machen Menschen mit einem Vermögen von weniger als 7.000 Euro den überwältigenden Anteil an der Weltbevölkerung aus.

Vermögen wuchsen im vergangenen Jahr langsamer

Im vergangenen Jahr wuchs das globale Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte laut der Studie insgesamt nur um 4,9 Prozent, was nur knapp über der Wachstumsrate der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit liegt. In den drei Jahren zuvor hatte das Vermögen im Durchschnitt etwa 9 Prozent zugelegt und war damit doppelt so schnell gestiegen. Die "fetten Jahre" scheinen erst einmal vorbei zu sein, sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. In der Vergangenheit hatte vor allem der durch niedrige Zinsen beflügelte Börsenboom für kräftige Zuwächse gesorgt.

Vor allem in Westeuropa (3,2 Prozent), den USA (2,4 Prozent) und Japan wuchsen die Vermögen langsamer. In Asien mit Ausnahme Japans nahmen sie dagegen um 14,8 Prozent zu. Von den insgesamt 155 Billionen Euro weltweiten Brutto-Geldvermögens entfallen inzwischen 18,5 Prozent auf Asien ohne Japan. Der Euroraum verfügt dagegen über 14,2 Prozent der Vermögen.

Deutsche bauen Schulden ab

Allerdings nahmen Verbraucher vor allem in Westeuropa und den USA weniger Schulden auf. In manchen Ländern wurden die Verbindlichkeiten der Studie zufolge sogar reduziert, das gelte besonders für Deutschland. Die Intention der Notenbanken, die Leitzinsen zu senken, sei aber, Schuldenaufnahme und Investitionen zu erhöhen. Besonders in Deutschland und Österreich werde sehr vorsichtig angelegt – allein die Deutschen hätten so etwa 200 Milliarden mehr Rendite auf ihre Vermögen erzielen können.

Deutschland kommt mit einem Brutto-Geldvermögen von 67.980 Euro pro Kopf weltweit auf Platz 20. Nach Abzug der Schulden kommen die Deutschen auf Platz 18. Wegen der vorsichtigen Anlagestrategie befinde sich ein großer Teil des Geldes in Bankeinlagen, Versicherungen und Pensionen. Unangefochtener Spitzenreiter unter den mehr als 50 untersuchten Ländern ist weiter die Schweiz mit 260.800 Euro brutto pro Kopf, auch netto liegen sie mit 170.590 Euro vorn.