Übernahmestreit - Spitzengespräch zu Kaiser's Tengelmann ohne Ergebnis © Foto: AFP-TV

Endlich ist im Streit von Deutschlands größten Supermarktketten eine faire Lösung für alle in Sicht. Die defizitären Läden von Kaiser's Tengelmann werden wahrscheinlich nicht als Paket an Edeka allein gehen, den ohnehin schon größten Lebensmittelhändler des Landes. 

Die etwa 400 Filialen dürften unter mehreren Kaufinteressenten aufgeteilt werden, und einen großen Teil des Kuchens bekommt dann Edekas ärgster Konkurrent: die Rewe-Gruppe. Was nach einem salomonischen Urteil klingt, ist eher ein guter Kompromiss, der aus einer verfahrenen Situation herausführen und Tausende Arbeitsplätze sichern könnte.

Schließlich haben sich die Chefs der Lebensmittelketten und Gewerkschaftsvertreter in ihrem Spitzentreffen vergangene Nacht selbst auf diesen Weg begeben, nachdem sie sich über Jahre in eine persönliche Fehde hineinmanövriert hatten. Auch wenn das Krisentreffen von Edeka, Kaiser's Tengelmann und Rewe mit den Vertretern der Gewerkschaft offiziell kein konkretes Ergebnis hervorbrachte, so erklärten die Chefs gemeinsam, "die Gespräche zeitnah fortzuführen mit dem erklärten Ziel, eine für alle Beteiligten und die Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann tragfähige gemeinsame Lösung zu finden".

Rewe, der Spielverderber

So weit jedoch konnte es nur kommen, weil Rewe-Vorstand Alain Caparros geschickt und mit allen Mitteln die Übernahmen der Kaiser's-Märkte durch Edeka torpediert hatte. Er klagte erfolgreich mit seinem Unternehmen gegen die Entscheidung von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, die Fusion per Ministererlaubnis durchzudrücken. Das war klug und richtig. Denn schon zuvor hatten sowohl das Bundeskartellamt als auch die Monopolkommission sich gegen eine solche Übernahme ausgesprochen. Der Grund: Mit dem neuen Unternehmen würde ein zu großer Player im Lebensmittelmarkt entstehen.

Edeka und Kaiser's Tengelmann blieb nach der Klage von Rewe kaum eine andere Wahl, als einen Deal mit dem Kölner Konkurrenten einzugehen. Schließlich kann nicht bis zu einer Berufung vor dem Bundesgerichtshof gewartet werden, wenn Kaiser's Tengelmann monatlich fast zehn Millionen Euro Verlust macht und schon bald vor der Zahlungsunfähigkeit stehen dürfte.

Auch für die Beschäftigten könnte das eine realistische Lösung bedeuten. Wahrscheinlich werden nicht alle der zur Disposition stehenden 8.000 Arbeitsplätze erhalten, so wie es Edeka zuvor der Gewerkschaft ver.di für den Fall der Übernahme aller Läden versprochen hatte. Ohnehin war diese Einigung mindestens merkwürdig, schließlich gibt es an den Verlusten der Filialen von Kaiser's Tengelmann wenig zu deuten. Wie Edeka also diese Arbeitsplätze hätte auf lange Sicht garantieren können, ohne an anderer Stelle im Unternehmen abzubauen, hat kaum jemand verstanden.

Gabriel sollte Lebensmittelmärkten den Markt überlassen

Eine Unbekannte bleibt trotzdem nach der ersten Einigung der Konzernchefs: Das Bundeskartellamt muss die neue Lösung erneut prüfen, und das dürfte einige Monate in Anspruch nehmen. Die Gefahr allerdings einer zu großen Konzentration im Markt ist kaum mehr gegeben, wenn sich neben Rewe und Edeka auch kleinere Handelsunternehmen an der Abmachung beteiligen.

Als klarer Verlierer geht nur einer hervor: Sigmar Gabriel. Der Wirtschaftsminister hatte sich ohne Voraussicht darauf versteift, die Arbeitsplätze von Kaiser's Tengelmann sichern zu wollen, ohne aber die Wirtschaftlichkeit dieses Vorhabens zu hinterfragen. Er sollte jetzt wieder den Lebensmittelmärkten den Markt überlassen.