Die Sorge, im Alter keine ausreichende Rente zu erhalten, wird immer größer: Fast zwei Drittel (64,9 Prozent) der Deutschen befürchtet, dass ihre gesetzliche Rente nicht ausreichen wird, um den Lebensstandard zu halten. Das stellt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der Postbank fest. Obwohl die Angst vor Altersarmut so groß ist, sorgt nur jeder zweite Befragte privat vor. Die Erklärung dafür ist einfach: Den allermeisten (36,3 Prozent) fehlen dafür die finanziellen Mittel. 

Wer heute auf niedrigem Niveau verdient, geht somit fast automatisch davon aus, dass seine gesetzliche Rente im Alter zu niedrig sein wird. 33,8 Prozent der Befragten waren davon überzeugt. Nur jeder Fünfte glaubt, dass er genügend Vermögen entweder heute schon besitze oder im Laufe des Erwerbslebens erwerben oder erben würde, um im Alter auskömmlich leben zu können.

Auffällig ist ein Unterschied zwischen den Geschlechtern: Die Männer sind generell zuversichtlicher, ihren Lebensstandard im Alter halten zu können. Allerdings gehen die allermeisten davon aus, dass sie im Alter jeden Euro zweimal umdrehen und sich auf jeden Fall einschränken müssen. 72,2 Prozent der Männer gaben dies an, bei den Frauen ist diese Zuversicht mit 63,2 Prozent deutlich verhaltener. Schließlich sind es immer noch die Frauen, die wegen der Familie im Job reduzieren oder die Erwerbstätigkeit unterbrechen – und somit insgesamt ein geringeres Rentenniveau erreichen.

Deutliche Ost-West-Unterschiede

Insgesamt sagten zudem 11,6 Prozent der Befragten, dass sie sich im Alter auf die Vorsorge ihres Partners oder ihrer Partnerin verließen. Diese Abhängigkeit ist allerdings problematisch. Denn bereits seit der Unterhaltsrechtsreform im Jahr 2008 muss der Partner nach einer Scheidung nicht mehr automatisch für die Versorgung des anderen aufkommen.

Die Umfrage stellt außerdem nach wie vor Ost-West-Unterschiede fest: Während die Mehrheit der Westdeutschen zwar eine generelle Angst vor Altersarmut hat, aber eher davon ausgeht, persönlich den sozialen Abstieg verhindern zu können, teilen in den ostdeutschen Bundesländern nur knapp die Hälfte der Befragten diese eher positive Sicht. Der Anteil derjenigen, die fest vom sozialen Abstieg im Alter ausgehen, ist deutlich höher.

Zudem zeigt die Umfrage einen Unterschied nach Bildungsabschluss der Befragten: Von den Umfrageteilnehmern mit Volks- oder Hauptschulabschluss sorgen 40,6 Prozent privat vor. Von den Befragten mit Realschulabschluss, Abitur oder Studium legen jeweils 61 Prozent Geld für das Alter zurück. Möglicherweise haben die Befragten mit einem höheren Schulabschluss auch einen Job, in dem sie ein höheres Einkommen erzielen und insofern grundsätzlich mehr Geld für die private Vorsorge zur Verfügung haben.

Bei der jungen Generation – den 16- bis 29-Jährigen – spielt das Thema private Altersvorsorge der Umfrage zufolge noch keine so große Rolle. Hier hat nur jeder Dritte bereits einen privaten Vertrag abgeschlossen. Bei den über 30- bis 60-Jährigen sind es hingegen zwei Drittel der Befragten. Auch hier dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit das zur Verfügung stehende Einkommen eine Rolle spielen. Wer noch in der Berufsausbildung ist und/oder nur einen befristeten Arbeitsvertrag hat, wovon die junge Generation überdurchschnittlich betroffen ist, dem fehlen die Mittel für eine private Rentenversicherung.

CDU schlägt höheres Renteneintrittsalter vor

In der CDU will man dem Problem mit einem höheren Renteneintrittsalter begegnen. Das geht aus einem Rentenkonzept hervor, das eine Arbeitsgruppe der Partei beschlossen hat, berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. Die Sozialexperten wollen demnach bis 2030 die Altersgrenze automatisch an die steigende Lebenserwartung koppeln und haben ein entsprechendes Papier verfasst, das der Vorbereitung des Parteitags im Dezember diene.

Zudem sprechen sich die Rentenexperten auch für die Zeit nach 2030 für ein Mindestrentenniveau aus. Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse eine Rente "über dem Grundsicherungsniveau" erhalten, zitiert das Magazin aus dem Papier. Auf eine konkrete Zahl lege sich die Arbeitsgruppe dem Magazin zufolge jedoch nicht fest. Für Selbstständige, die nicht anderweitig abgesichert sind, wolle die CDU künftig eine "Altersvorsorgepflicht" einführen.