Die insolvente südkoreanische Reederei Hanjin kann einem Medienbericht zufolge nur unter der Bedingung einer drastischen Schuldensenkung überleben. Das Insolvenzgericht habe erklärt, ein Sanierungsplan werde "realistischerweise unmöglich", wenn die vorrangigen Schulden des Konzerns rund 800 Millionen Euro (eine Billionen Won) übersteigen würden, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Hanjin hatte Ende Juni rund 4,8 Milliarden Euro Schulden.

Die siebtgrößte Containerreederei der Welt hatte Ende August einen Insolvenzantrag gestellt. Die bislang größte Pleite in der Branche führte zu Turbulenzen. Aus Angst, nicht bezahlt zu werden, verweigerten zahlreiche Häfen Hanjin-Schiffen den Zugang. Hanjin-Aktien sackten um 20 Prozent ab. Der Yonhap-Bericht schürte Sorgen, das Unternehmen könne in die Liquidation schlittern. Anleger haben Zweifel daran, dass der Mutterkonzern das Geld aus einem Unterstützungsfonds auch tatsächlich freigibt. Seit Beginn des Jahres hat das Unternehmen an der Börse 70 Prozent seines Wertes verloren.

Hanjin hatte kürzlich damit begonnen, gecharterte Schiffe an die Besitzer zurückzugeben, um so die Chartergebühren zu sparen. Zudem versucht der Konzern, Gelder zusammenzubringen, um die Ladung auf vielen seiner Schiffe löschen zu können. An Bord der Schiffe, die sich auf Häfen in der ganzen Welt verteilen, sollen sich Güter im Wert von rund 14 Milliarden Dollar (etwa 12,5 Milliarden Euro) befinden.

In Südkorea und in den USA hat das Unternehmen Antrag auf Gläubigerschutz gestellt, um sich in Ruhe sanieren zu können. Der Mutterkonzern Hanjin legte Anfang September einen Unterstützungsfonds von über 100 Milliarden Won (80 Millionen Euro) auf, um einen geordneten Geschäftsbetrieb zu gewährleisten. 40 Milliarden Won steuerte der Chef der Gruppe und größte Aktionär bei, Cho Yang Ho. Die anderen 60 Milliarden sollten von einem weiteren wichtigen Aktionär kommen, Korean Air. Doch der Verwaltungsrat der Fluggesellschaft weigert sich, die Mittel freizugeben. Mehrere Krisentreffen, jüngst am Sonntag, brachten kein Ergebnis.

Hanjin hat bis zum 25. November Zeit, einen Sanierungsplan vorzulegen. Ein Gericht wird dann entscheiden, ob es die Reederei unter Gläubigerschutz stellt – oder dem Untergang weiht. Die Reederei hatte Anfang September 141 Schiffe, davon 97 Containerschiffe. Von diesen waren 60 ausgeliehen (gechartert) und 37 im Hanjin-Besitz. Weltweit leiden Reedereien unter Überkapazitäten und einer abnehmenden Nachfrage.