Die Unterbringung von Geflüchteten und die niedrigen Hypothekenzinsen sorgen für einen unverminderten Bauboom in Deutschland. Von Januar bis Juli wurde der Bau von 213.600 Wohnungen genehmigt, teilte das Statistische Bundesamt mit. Das entspricht einem Plus von 26,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Noch mehr Wohnungen wurden in den ersten sieben Monaten eines Jahres zuletzt 2000 bewilligt (216.000).

Mit den Zahlen setzt sich der Trend zu mehr Baugenehmigungen fort. Dennoch mangelt es immer noch an bezahlbaren Wohnungen, kritisiert der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Zwar stecken Städte und Kommunen nach Einschätzung von Vizepräsident Thomas Bauer seit der starken Zuwanderung von Flüchtlingen im vergangenen Jahr mehr Geld in die Errichtung erschwinglicher Wohnungen. Es fehlten aber immer noch Wohnungen und die Schaffung von billigem Wohnraum dauere viel zu lange, sagte Bauer.

Auch die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) rechnet laut einer neuen Studie nicht mit schneller Entspannung. Zwar sei mit den steigenden Baugenehmigungen auch mit deutlich mehr fertig gestellten Wohnungen zu rechnen. Am deutschen Wohnungsmarkt gebe es aber einen Bedarf von jährlich 350.000 bis 400.000 neuen Wohnungen. Vermutlich werde erst im kommenden Jahr erstmals seit 2001 die Marke von 300.000 fertiggestellten Wohnungen überschritten, heißt es darin. "Die angespannte Situation am deutschen Wohnungsmarkt wird noch einige Zeit andauern", folgern die Analysten.

In den ersten sieben Monaten des Jahres hat die Ankunft Zehntausender Geflüchteter die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland in die Höhe getrieben. Die Bewilligungen für Wohnungen in Wohnheimen, zu denen auch Flüchtlingsunterkünfte zählen, stiegen um 142 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Insgesamt wurden in dem Bereich 13.794 Wohnungen genehmigt, 2015 waren es noch 5.700.

Der Bauboom macht sich indes in allen Segmenten des Neubaus bemerkbar. So verzeichneten die Statistiker bei Wohnungen in Mehrfamilienhäusern ein Plus von 26,7 Prozent. Deutliche Zuwächse gab es ferner bei Zweifamilienhäusern (plus 15,1 Prozent) und Einfamilienhäusern (plus 7,6 Prozent).

Ein weiterer Grund für das starke Wachstum ist das extrem niedrige Zinsniveau. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen in der Eurozone auf das Rekordtief von null Prozent gesenkt. Baukredite sind so günstig wie seit Jahren nicht, während klassische Sparprodukte kaum noch Rendite abwerfen. Investoren flüchten daher auch in Immobilien, was die Nachfrage zusätzlich anheizt.