Die Fischereiminister der Europäischen Union (EU) haben sich auf eine neue Fangquote für Dorsche in der Ostsee geeinigt. Demnach sinkt die erlaubte Fangmenge in der westlichen Ostsee um 56 Prozent gegenüber 2016. Im östlichen Bereich der Ostsee sinkt die Fangmenge um 25 Prozent.

Damit wird der ursprüngliche Vorschlag der EU-Kommission für die Fangquote deutlich reduziert. Diese wollte die Quote im Westen um 88 Prozent senken. EU-Fischereikommissar Karmenu Vella beschrieb die Verhandlungen als sehr schwierig. Allerdings bewege sich die EU mit den vereinbarten Quoten noch im Rahmen der Empfehlungen der Wissenschaft.

Das sieht die Umweltschutzorganisation Greenpeace jedoch anders. Sie kritisierte die neuen Fangquoten für Dorsche als nicht ausreichend. Erneut hätten sich die EU-Fischereiminister bei der Quotenvergabe den Interessen der Fischereiindustrie gebeugt, anstatt den wissenschaftlichen Vorgaben zu folgen, sagte der Greenpeace-Fischereiexperte Thilo Maack. Laut Maack werde mit den Quoten weder der Fischereiindustrie noch dem Dorsch-Bestand in der Ostsee geholfen. Mit dem weiteren Absinken des Bestands in der westlichen Ostsee würden auch die Fischereierträge sinken.

Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) sprach von einer "schmerzhaften, aber angesichts der Bestandssituation erforderlichen Quotenreduzierung". Die Dorsch-Bestände in der Ostsee sind erschöpft. Für viele Ostseefischer geht es allerdings um die Existenz. Deutsche Fischer können damit, nach Angaben von an der Verhandlung beteiligten Personen, in der westlichen Ostsee 2017 insgesamt 1.194 Tonnen Dorsch (von 5.597 Tonnen insgesamt) und im Osten 2.820 Tonnen (von 30.857 Tonnen) fangen. Schmidt sagte dazu: "Die Bestände werden sich weiter erholen können und unsere Ostseefischer haben eine wirtschaftliche Perspektive." Abwrackprämien für Fischer, die Kutter aufgeben oder vorübergehend stilllegen, sollten weiter gezahlt werden.

Quote auch für Angler

Auch für Freizeitfischer, die inzwischen ähnlich viel Dorsch aus der Ostsee holen wie gewerbliche Fischer, wird es im kommenden Jahr Obergrenzen geben. In der Laichsaison im Februar und März dürfen sie höchstens drei Dorsche pro Tag angeln, im Rest des Jahres fünf. Kommerzielle Fischer dürfen im Februar und März in der westlichen Ostsee acht Wochen lang keinen Dorsch fangen. Das sind zwei Wochen mehr als bislang vereinbart.

Bei anderen Fischbeständen können die Fischer sich über Zuwächse freuen. Dies gilt vor allem für die Scholle, wenn auch bei einer niedrigen Gesamtmenge: Hier verdoppelt sich die Fangmenge für die gesamte Ostsee nahezu auf 7.862 Tonnen. Die Heringsquote steigt im Westen um acht Prozent auf 28.401 Tonnen. Beim Lachs ändert sich wenig: Für 2017 ist erneut eine Fangmenge von 95.928 Tonnen vorgesehen, nur im äußersten Osten, nahe Finnland, gibt es eine Kürzung um ein Fünftel. Die Quote für Sprotten steigt um 29 Prozent auf 260.993 Tonnen.

Die EU-Mitgliedstaaten handeln jedes Jahr die Fangmengen für das kommende Jahr untereinander aus. Nach den Ostseequoten im Oktober steht im Dezember die Entscheidung über die Fangmengen in der Nordsee und im Atlantik an. Grundlage für die Verhandlungen sind Vorschläge, die die EU-Kommission auf Grundlage wissenschaftlicher Gutachten macht.