Die große Katastrophe ist im Grunde gar keine. Zwar haben sich die Kontrahenten in ihren Verhandlungen nicht einigen können, die Lebensmittelkette Kaiser's Tengelmann als Ganzes zu erhalten, um sie künftig in einer der großen deutschen Supermarktketten aufgehen zu lassen. Auch eine Zwischenlösung ist offenbar gescheitert, nach der größere Unternehmensteile unter verschiedenen Interessenten blockweise aufgeteilt worden wären. Nun also: Zerschlagung. Aber ist das so schlecht, wie es immer wieder hieß?

In dem jahrelangen Streit haben sich die Lager endgültig überworfen, so scheint es. Da sind Edeka und Kaiser's Tengelmann auf der einen Seite und vor allem die Rewe Group aus Köln auf der anderen. Am Wochenende mündeten die Verhandlungen in gegenseitigen Beschimpfungen, mit denen sich die Supermarktbosse über die Medien bedachten.

Die Zerschlagung bedeutet, dass die etwa 450 Filialen des Unternehmens wohl doch nicht im Gesamtpaket an einen Konkurrenten verkauft werden, sondern womöglich einzeln oder in kleinen Paketen. Die Edeka-Gruppe erhält also nicht den Komplettzuschlag. Sie hatte für das Gesamtpaket schon einen Kaufvertrag unterzeichnet, der aber wurde von der Kartellbehörde abgewiesen. Auch eine Sondererlaubnis für die Fusion mit Edeka von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel scheiterte, weil der Konkurrent Rewe dagegen erfolgreich klagte.

Ein Plan, der scheiterte

Der Rewe-Konzern war jedoch mit seinen Bemühung für eine Übernahme zumindest von Teilen der Supermarktkette bisher nicht viel erfolgreicher. Rewe will Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka nicht noch mehr Läden überlassen und kämpfte mit allen Mitteln gegen eine Komplettübernahme durch den Konkurrenten. Immerhin schien es noch am 6. Oktober eine Einigung zwischen den Firmenchefs zu geben, wonach Rewe die Märkte in Berlin und NRW bekommen hätte und Edeka die in München.

Bis aufs Papier sollen es diese Angebote aber noch nicht geschafft haben, zumindest nicht in "rechtssicherer Form", so heißt es bei Kaiser's Tengelmann. Dort stuft man die Offerte als "unseriös" ein. Auch interne Protokolle aus den Verhandlungen belegen, dass sich nicht einmal das Rewe-Lager einig gewesen sei über Kauf und Aufteilung. Der Plan des 6. Oktober war offenbar folgender: Rewe sollte seine Klage gegen die Ministererlaubnis zurückziehen, sodass Edeka doch noch alle Kaiser's-Tengelmann-Märkte hätte übernehmen können. Im Gegenzug hätten dann aber Rewe und andere kleinere Interessenten Teile des Unternehmens von Edeka übernommen. Doch sei fraglich gewesen, so zitiert die Süddeutsche Zeitung aus einem internen Rewe-Papier, ob man sich dann noch "im Rahmen der Ministererlaubnis bewegt" hätte.

Weil keiner der beiden Konkurrenten nachgeben will, ist seit diesem Montag nun der Bieterwettkampf um die Filialen eröffnet. "Wir haben bereits viele Interessensbekundungen für Einzelfilialen erhalten", kündigte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub an. Und er werde Edeka eine Art Vorkaufsrecht einräumen, wenn es an einer kartellrechtlich unbedenklichen Filiale interessiert sei. Die spannende Frage ist, welche Filialen man beim Verkauf bündelt. Denn rund die Hälfte der Lebensmittelmärkte ist zwar profitabel, aber etwa genauso viele sind defizitär. Letztere trugen dazu bei, dass Kaiser's Tengelmann seit Jahren Verluste schrieb und wirtschaftlich in Schieflage geriet.