Besonders wohlhabende Deutsche haben ihren Reichtum nur selten selbst verdient. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zusammen mit der Universität Potsdam. Der Erhebung zufolge spielen für hohe Vermögen insbesondere Schenkungen und Erbschaften eine große Rolle.

Laut DIW kamen etwa drei Viertel der Hochvermögenden in Deutschland im Alter über 40 Jahren bereits in den Genuss einer Schenkung oder Erbschaft, 18 Prozent sogar zweier oder mehr. In der Bevölkerung insgesamt hätten lediglich knapp über ein Drittel der über 40-Jährigen einen solchen Transfer erhalten, schreiben die Forscher.

"Hochvermögende haben in der Regel mehrfach und dabei überdurchschnittlich hohe Beträge geerbt oder Vermögen geschenkt bekommen", sagte DIW-Experte Markus M. Grabka. Befragt nach den Gründen für ihren Reichtum gaben in der Erhebung insgesamt zwei Drittel dementsprechend Erbschaften und Schenkungen an, gefolgt von Selbstständigkeit und Unternehmertum. Ein Fünftel der reichen Frauen nannte eine Heirat als Hauptgrund für die erreichte Vermögensposition.

"In Deutschland ist Vermögensungleichheit besonders hoch"

Als hochvermögend gelten in der Studie Haushalte, die mindestens eine Million Euro frei verfügbar haben. Neben Geldvermögen halten Hochvermögende überdurchschnittlich häufig auch Betriebsvermögen.

Die Ergebnisse der Studie könnten die politische Diskussion über die Ungleichheit in der Gesellschaft befeuern. "Ein Überdenken der gegenwärtig milden Erbschafts- und Schenkungssteuer halte ich persönlich für sinnvoll", sagte Grabka. "In Deutschland ist die Vermögensungleichheit besonders hoch, und die Erbschaftssteuer kann da als Korrekturinstrument dienen." Die jüngste Reform gewährleiste dies aber nicht und packe grundlegende Probleme nicht an.

Erst vor Kurzem war die jahrelang umstrittene Besteuerung von Erbschaften korrigiert worden. Im Kern geht es dabei um die Neufassung der Steuerprivilegien für Betriebserben. Diese müssen auch künftig keine Erbschaftsteuer zahlen, wenn sie den Betrieb und die Arbeitsplätze erhalten. Die Hürden dafür werden aber höher gelegt, weil das Verfassungsgericht eine Überprivilegierung bemängelt hatte.

Die nicht repräsentative Erhebung des DIW wurde im Rahmen des fünften Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung im Auftrag des Arbeitsministeriums durchgeführt. Sie kam zum Ergebnis, dass Hochvermögende typischerweise männlich, im höheren Lebensalter und überdurchschnittlich gut gebildet sind.

Die untersuchten Hochvermögenden seien zudem tendenziell zufriedener mit ihrem Leben als die Gesamtbevölkerung, so das DIW. Die Vergleichswerte stammen aus dem Sozio-ökonomischen Panel (SOEP), für das seit 1984 jedes Jahr etwa 30.000 Menschen in rund 15.000 Haushalten befragt werden.