Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V. (WVZ) ist der Betreiber einer Initiative, die vermeintlich neutral über Kariesprophylaxe und Zahnhygiene aufklären will. In der Öffentlichkeit wird dieser Zusammenhang jedoch bewusst verschleiert. Das zeigen Recherchen der ZEIT. Die WVZ ist die zentrale Lobbyorganisation der deutschen Zuckerindustrie.

Unter dem Deckmantel einer unabhängigen wissenschaftlichen Aufklärungskampagne betreibt die Zuckerlobby den "Informationskreis Mundhygiene und Ernährungsverhalten (IME)" bereits seit fast 40 Jahren. Erstmals bestätigte die WVZ nun gegenüber der ZEIT die Finanzierung dieses Tarnvereins.

Das Phänomen der Tarnvereine ist weit verbreitet

Mit einem Informationsportal im Internet, Broschüren, Messeständen, Pressearbeit und sogar einem Aktionsspiel für Kindergärten verharmlost der Informationskreis den Konsum von Zucker. In den Veröffentlichungen werden Zucker und Süßigkeiten als Hauptverursacher von Karies und Zahnschäden verschwiegen. "Neben teilweise grenzwertigen Aussagen ist vor allem die einseitige Auswahl der Informationen schon sehr manipulativ", sagt Irmgard Berger-Orsag, die langjährige Geschäftsführerin des Zahnärzte-Berufsverbandes Deutscher Arbeitskreis für Zahnheilkunde (DAZ).

Das Phänomen Tarnvereine, die sich "Forum", "Arbeitskreis" oder "Gesellschaft" nennen und verdeckt von der Industrie betrieben werden, ist in der Gesundheitsbranche sehr verbreitet, wie DIE ZEIT in ihrer aktuellen Ausgabe nachweist. Im Marketing wird diese Strategie "Generische Aufklärungskampagne" genannt.

Die Vereine versuchen durch vielfältige PR-Aktionen ein positives Bild eines Grundstoffs wie Fluorid oder Jod in der Gesellschaft zu etablieren oder eine unbekannte Krankheit populärer zu machen. Neben der Zuckerlobby nutzen auch Vitaminkonzerne, die großen Salzhersteller oder die Pharmakonzerne Pfizer, Mundipharma sowie Reckitt Benckiser diese Taktik.