In Deutschland sind immer mehr Menschen von Armut bedroht – selbst wenn sie einen Arbeitsplatz haben. Dies zeigen Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat, über die die Passauer Neue Presse berichtet. Demnach war 2015 fast jeder zehnte Beschäftigte von Armut bedroht. Die entsprechende Quote in den vergangenen zehn Jahren damit von 5,5 Prozent auf 9,7 Prozent gestiegen.

Dem Bericht zufolge stieg das Armutsrisiko für Vollzeitbeschäftigte im Vergleich zu 2006 von 4 auf 7,1 Prozent. Bei Teilzeitbeschäftigten liegt es doppelt so hoch und zwar bei 14,5 Prozent, sechs Punkte höher als vor zehn Jahren. Am höchsten ist demnach das Risiko für befristet Beschäftigte: Fast ein Fünftel – 18,1 Prozent – sind hier von Armut bedroht.

"Nach wie vor sind viel zu viele Menschen in Deutschland arm trotz Arbeit", sagte die Linken-Politikerin Sabine Zimmermann, deren Fraktion die Zahlen ausgewertet hatte. "Die Bundesregierung versagt hier auf ganzer Linie." Zimmermann forderte die Erhöhung des Mindestlohns von derzeit 8,50 auf zwölf Euro pro Stunde. Überdies müsse die Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit abgeschafft werden.

Als armutsgefährdet gilt, wer über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügt. In Deutschland lag die Schwelle 2015 bei einem Jahresnettoeinkommen von 12.401 Euro für eine Einzelperson.