Ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland – und damit rund 16,1 Millionen Menschen – waren einer Statistik zufolge im vergangenen Jahr von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Dieser Anteil ist seit 2008 nahezu unverändert, teilte das Statistische Bundesamt mit. In der gesamten Europäischen Union läge der Anteil armer oder sozial ausgegrenzter Menschen im betrachteten Zeitraum mit 23,7 Prozent deutlich höher als in der Bundesrepublik.

Grundlage der Statistik ist die EU-weite Erhebung Leben in Europa (EU-SILC), für die den Angaben zufolge in allen Mitgliedstaaten einheitliche Definitionen und methodische Mindeststandards gelten. Eine Person gilt als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn mindestens eine der folgenden drei Lebenssituationen zutrifft: Ihr Einkommen liegt unter der Armutsgefährdungsgrenze (die Person ist also von Einkommensarmut bedroht), ihr Haushalt ist von erheblicher materieller Entbehrung betroffen oder sie lebt in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung. Die Erhebung hat ermittelt, auf wie viele Personen jede dieser Lebenssituationen zutrifft.

Im vergangenen Jahr waren rund 13,4 Millionen Menschen in Deutschland von Armut durch Geldprobleme bedroht. Das entsprach 16,7 Prozent der Bevölkerung, der Wert liegt unter dem EU-Durchschnitt von 17,3 Prozent. Eine Person gilt nach der EU-Definition als armutsgefährdet, wenn ihr weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung stehen. 2015 lag dieser Schwellenwert für eine allein lebende Person in Deutschland bei 1.033 Euro, für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2.170 Euro im Monat.

Armutsgefährdet sind vor allem Arbeitslose

Von erheblicher materieller Entbehrung waren laut Bundesamt im vergangenen Jahr 4,4 Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen, sie konnten etwa die Rechnungen für ihre Miete, Hypotheken oder Versorgungsleistungen nicht bezahlen, ihre Wohnungen nicht angemessen beheizen oder keine einwöchige Urlaubsreise finanzieren. EU-weit lag der Anteil bei 8,1 Prozent.

Von der Bevölkerung unter 60 Jahren lebt in Deutschland jeder Zehnte in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbsbeteiligung. Arbeitet ein Alleinstehender zwölf Monate im Jahr, liegt eine hundertprozentige Erwerbsbeteiligung vor. Sind es weniger als 20 Prozent, gilt er als armutsgefährdet.

Aus einer aktuellen Anfrage der Linken beim Bundessozialministerium geht hervor, dass seit der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 mindestens 14,5 Millionen Menschen in Deutschland mindestens einmal Hartz-Leistungen bezogen haben. Rund zehn Millionen dieser Bezieher von Regelleistungen nach dem zweiten Sozialgesetzbuch zählten als erwerbsfähig. Rund 4,4 Millionen Kinder unter 15 Jahren profitierten von Hartz IV-Leistungen.