48 Länder, die besonders unter dem Klimawandel leiden – vor allem aus Afrika, Asien, der Karibik und der Südsee –, wollen so schnell wie möglich aus Kohle, Öl und Gas aussteigen. Am Rande der Klimakonferenz in Marokko verabschiedeten sie gemeinsam eine Erklärung, die sogenannte Marrakesch-Vision. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem das Gastgeberland selbst, Kambodscha, Sudan und die pazifische Inselrepublik Kiribati. 

Ziel ist, die gefährliche Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius oder weniger zu begrenzen. In den 2050er Jahren solle die Weltwirtschaft komplett kohlenstoffneutral funktionieren – was allerdings vermutlich ohne Geoengineering oder Techniken wie Carbon Capture and Storage (CCS) nicht klappen kann. Damit greift die Marrakesch-Vision die im Pariser Klimavertrag festgeschriebenen Vereinbarungen auf.

Die meisten der Unterzeichnerstaaten gehören zur Koalition besonders betroffener Länder (Climate Vulnerable Forum, CVF). Sie verpflichten sich, möglichst bald 100 Prozent ihrer einheimischen Energieproduktion aus Erneuerbaren zu decken. Zugleich wollen sie Energiearmut bekämpfen und ihre Wasser- und Nahrungsversorgung schützen. Dem Vernehmen nach sind keine Industriestaaten an der Initiative beteiligt.

Kritik an Deutschlands Kohle-Energiepolitik

Die Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion für Klimapolitik, Annalena Baerbock, forderte, der Appell dürfe auch in Deutschland nicht ungehört verhallen. "Es reicht nicht, wenn Bundesumweltministerin Barbara Hendricks anderen Ländern, wie beispielsweise Marokko, empfiehlt, keine neuen Kohlekraftwerke zu bauen. Solche Ansagen müssen sich dann auch im deutschen Klimaschutzplan wiederfinden", sagte Baerbock.

Um den deutschen Plan war lange gerungen worden. Deutschland will demnach seinen Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent reduzieren – ein verbindliches Klimaschutzgesetz ist das aber nicht.

Der Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser, sagte: "Es ist ein Armutszeugnis, dass Deutschland beim Kohleausstieg inzwischen von immer mehr Ländern überholt wird. Die Bundesregierung darf diese wichtige Entscheidung nicht länger verschleppen, sie muss jetzt einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohle bis spätestens 2030 umsetzen."

Als Vertreter der deutschen Regierung in Marrakesch betonte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth, der Kohleausstieg komme auch in Deutschland: "Dass wir das am Ende machen, daran kann doch überhaupt kein Zweifel bestehen. Und vielleicht müssen wir das ein bisschen schneller machen, als der ein oder andere denkt." Deutschland wolle den Ausstieg aber in einem "gesellschaftlichen Prozess" gestalten. Möglichst wenige Menschen sollten das Gefühl haben, es werde über ihren Kopf hinweg entschieden.