Der deutsche Waffenhersteller Heckler & Koch will künftig kein Neugeschäft mehr mit Staaten außerhalb der Nato-Einflusssphäre machen. Das verlautete aus Firmenkreisen. Damit fallen Staaten wie Saudi-Arabien, Türkei, Mexiko, Brasilien oder auch Indien als Kunden weg. Ein Mitarbeiter, der anonym bleiben will, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wir wollen nur noch solide Länder beliefern, also zweifelsfrei demokratisch, eindeutig nicht korrupt und in der Nato oder Nato-nah." 

Begründet wurde der Strategiewechsel damit, dass Exportgenehmigungen in solche Staaten nur schwierig oder gar nicht mehr zu bekommen seien. Zudem wolle man aus den negativen Schlagzeilen raus – auch wenn damit das Exportpotenzial eingeschränkt werde.

Bei Branchenfachleuten fand der Kurswechsel von Heckler & Koch Zustimmung. "Prinzipiell ist es genau das, was wir fordern", sagte etwa Wolf-Christian Paes vom Internationalen Konversionszentrum Bonn. Allerdings folge die Firma damit der politischen Realität. Die Ausfuhrrestriktionen seien unter der Bundesregierung verschärft worden. In gut einem Dutzend Fälle wartet Heckler & Koch auf die Genehmigung deutscher Behörden zur Ausfuhr von Waffen. Saudi-Arabien braucht beispielsweise Bauteile, um eine längst fertiggestellte Gewehrfabrik nutzen zu können. Sollte die Ausfuhr nicht erlaubt werden, gingen hohe finanzielle Sicherheiten verloren, die man in Saudi-Arabien hinterlegt habe, wie aus Unternehmenskreisen verlautet wurde.


Weniger Risiken und weniger Verzögerungen

Für die schwäbische Waffenschmiede mit ihren 850 Mitarbeitern und rund 200 Millionen Euro Jahresumsatz lief es lange schlecht. Im Jahr 2011 konnte nur eine Anleihe in Höhe von 295 Millionen Euro mit einem Zinssatz von 9,5 Prozent platziert werden. Um den Druck des Kapitalmarkts etwas zu senken, stellte Mehrheitseigner Andreas Heeschen 2015 eine Finanzspritze von 60 Millionen Euro zur Verfügung. Waffenlieferungen nach Mexiko riefen jedoch 2016 die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Sie wirft der Firma Verstöße gegen das Kriegswaffenkontroll- und Außenwirtschaftsgesetz vor. Im kommenden Jahr werden Ex-Manager sowie die Firma selbst als Mitbeschuldigte vor Gericht stehen.

Der Ex-Chef des Pumpenherstellers Putzmeister, Norbert Scheuch, übernahm in diesem Jahr den Chefsessel und setzte die sogenannte Grüne-Länder-Strategie durch, welche den neuen Kurswechsel beinhaltet. "Dadurch verbessert sich die Qualität des Orderbuchs. Es sind also weniger Risiken und weniger Verzögerungen bei Exporten – das macht das Geschäft kalkulierbarer", sagte die Analystin der Ratingagentur Moody's, Anke Rindermann.