Berta Cáceres hatte den Protest gegen dieses Kraftwerk, das Agua Zarca heißen soll, angeführt. Im September 2010 war es mit etwa 40 weiteren Wasserkraftwerken per Dekret genehmigt worden.

Rechtswidrig, sagen die Copinh-Aktivisten. Rechtswidrig, sagen manche Anwohner am Fluss, und die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für die Rechte der indigenen Völker, Victoria Tauli-Corpuz, spricht von juristischen Fehlern. Die verantwortlichen Beamten (siehe Infobox) hingegen finden, mit Agua Zarca habe alles seine Richtigkeit. Dennoch wird gegen sie ermittelt.

Am Río Gualcarque

Der Fluss, für den Berta Cáceres ihr Leben ließ, ist eine wilde Schönheit. Weit weg von den großen Städten bahnt sich der Río Gualcarque seinen Weg zwischen bewaldeten Hügeln, Bohnen- und Kaffeefeldern, Felsen und Geröll. Wenn er wenig Wasser führt, entstehen Sandbänke, regnet es, färbt sich sein Wasser braun, regnet es viel, schwillt er zu einem Strom. Nichts behindert seinen natürlichen Lauf, keine Betonwände, keine Schleusen, keine Röhren.

Vom Dorf La Tejera geht es zu Fuß durch dichtes Gestrüpp zu Fluss, vorbei an mächtigen Felsbrocken, die auf dem Pfad liegen, seit ein Steinschlag hier niederging. Niemand räumt sie weg. Seit die Baumaschinen weg sind, erobert auch die tropische Vegetation die Straße zurück.

"Sie wollen uns den Fluss nehmen", sagen die Leute in La Tejera. Sie, das sind fremde Investoren und Unternehmen aus der Hauptstadt, die den Gualcarque umleiten wollen, die planen, ihn durch Kanäle zu schicken und sein Wasser über Turbinen stürzen zu lassen, bevor er in sein ursprüngliches Bett zurückkehrt. Strom soll das Projekt erzeugen und Entwicklung bringen, sagen seine Verfechter – Entwicklung auch für die Leute im Dorf La Tejera.

Eva, ein Mädchen aus La Tejera, mit ihrer Mutter und anderen Dorfbewohnern am Río Gualcarque. Die kahle Fläche im Hintergrund wurde für eine Zufahrtsstraße gerodet. © Alexandra Endres

Doch im Dorf sagen sie, die Bauarbeiten hätten ihnen den Zugang zum Fluss versperrt, die Maschinen hätten ihre Bohnenfelder zerstört. Niemand habe sie vorab nach ihrer Meinung zu Agua Zarca gefragt.

Berta Cáceres war oft in La Tejera. Die Leute erinnern sich, wie sie immer in Wanderstiefeln kam, trittfest in der Wildnis, wie sie gemeinsam am Fluss kampierten, wie Berta die Lenca ermutigte, sich zu informieren und sich nicht auf andere zu verlassen. Nicht einmal auf sie.

Einwohner von La Tejera am Fluss. Die Betonröhre, auf der sie sitzen, ist ein Überbleibsel der mittlerweile eingestellten Bauarbeiten. © Alexandra Endres

Wochenlang blockierten sie die Baustelle von Agua Zarca – bis die Baumaschinen und Arbeiter schließlich abzogen. Vorher hatte der Staat Soldaten geschickt, um die Proteste zu stoppen und die Baustelle zu bewachen. Doch die Gegner des Wasserkraftwerks knickten nicht ein. Die Auseinandersetzung eskalierte. Menschen starben.

Derzeit ruhen die Arbeiten. Die Baustelle wurde auf die andere Seite des Flusses verlegt – in einem vergeblichen Versuch, die Protestierenden zu besänftigen. Ein paar Sicherheitsleute bewachen dort die Baracken. Bauherr Desa plant jetzt nur noch ein Laufwasserkraftwerk statt eines mit großem Staubecken. Das Vorhaben komplett aufzugeben ist für die Firma aber keine Option. 28 Millionen Dollar hat sie in Agua Zarca bisher investiert.

Mit Voith Hydro ist auch ein deutsches Unternehmen an Agua Zarca beteiligt. Es sollte Turbinen für das Wasserkraftwerk liefern.

Hat Voith Hydro fürs Geschäft Menschenrechtsverletzungen ignoriert? Diese Frage ist wichtig für ein Exportland wie Deutschland. Zumal hier die Regierung gerade die deutschen Unternehmen dazu bringen will, sich im Rahmen ihrer Geschäfte im Ausland stärker um den Schutz der Menschenrechte zu kümmern.

Noch gibt es kein Gesetz, das regeln würde, welche Vorsichtsmaßnahmen die Firmen zu treffen haben. Aber es gibt Regeln der Vereinten Nationen. Leitprinzipien, die besagen: Unternehmen sollten die menschenrechtlichen Risiken analysieren, bevor sie Verträge mit dem Ausland abschließen. Sie sollten die Verträge möglichst so gestalten, dass Menschenrechtsverletzungen vermieden werden – und reagieren, wenn sie doch passieren.

Gerade in Ländern wie Honduras, in denen Gewalt so alltäglich ist, wären Vorsichtsmaßnahmen wichtig. Hat Voith Hydro sie getroffen?