Jede Klimakonferenz braucht ihre Geschichte. Diplomatie lebt auch von Erzählungen; von der Fähigkeit der Unterhändler, ihre Ziele und Anliegen überzeugend zu verpacken. In eine Botschaft, die andere – im besten Fall die Gegenseite – mitreißt.

Vor einem Jahr in Paris sendete ein Bündnis aus Ehrgeizigen eine solche Botschaft. Sie lautete: Wir wollen einen anspruchsvollen Klimavertrag – und zwar für alle, Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer gleichermaßen. Die Koalition der Hoch-Ambitionierten gab gemeinsame Pressekonferenzen, sie rief immer wieder zu mehr Ehrgeiz auf, und die Minister, die zu ihr gehörten, marschierten demonstrativ geschlossen in die Verhandlungssäle ein.

Darin steckte viel Symbolpolitik, und es war ein Schauspiel für die Kameras. Aber das Bündnis entfaltete Druck. Am Ende trug es zum Erfolg der Pariser Klimakonferenz bei.  

Donald Trump - Ein Klimawandel-Skeptiker im Weißen Haus Für den 45. US-Präsidenten ist der Klimawandel Schwindel. Im Wahlkampf versprach er, Kohle und Fracking zu fördern und einen Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen zu prüfen. Dagegen formiert sich Protest.

In Marrakesch geht es jetzt darum, wie die Beschlüsse von Paris in die Praxis umgesetzt werden sollen, und eine Geschichte dieses Klimagipfels könnte an diesem Dienstag ihren Anfang genommen haben. Die Initiative dafür ging von Deutschland aus.

Geld für Küstenschutz und Solar

Am Dienstagmorgen um halb zehn Uhr Ortszeit verkündeten die marokkanische Umweltministerin Hakima El Haite und der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller im völlig überfüllten Pavillon des Gastgeberlandes eine neue Partnerschaft zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern. Das Vorhaben: Die Reichen geben Geld, Fachwissen und Technik; die Armen können die Hilfe nutzen, um die nationalen Klimaziele (NDCs) zu erreichen, zu denen sie sich innerhalb des Pariser Klimavertrags verpflichtet haben.

Zum Beispiel in Vietnam, wo Deutschland, Australien und andere Geldgeber das nationale Küstenschutzprogramm unterstützen, um die 17 Millionen Bewohner des Mekong Deltas besser vor den Gefahren des steigenden Meeresspiegels zu schützen. 

Oder im Gastland Marokko, wo das wohl größte Solarkraftwerk der Welt in Ouarzazate auch mit Geld aus Frankreich, Deutschland und der EU finanziert wurde. Marokko will bis zum Jahr 2030 mehr als die Hälfte seines Stroms aus erneuerbaren Energien gewinnen.

"Sobald es uns gelingt, aus der Sonne der Sahara Energie für die Zukunft Afrikas zu erzeugen, wird dieser Kontinent Entwicklungssprünge machen", sagte Minister Müller in Marrakesch. Das Zwei-Grad-Ziel sei nur zu erreichen, wenn die Entwicklungs- und Schwellenländer Kohle und Öl von vornherein vermieden und eine saubere Energie-Infrastruktur aufbauten. "Sie sollen nicht da einsteigen, wo wir 1920 begonnen haben, sondern da, wo wir heute stehen."

Das Solarkraftwerk in Ouarzazate sei dafür ein gutes Beispiel. "Ouarzazate muss, kann und wird vervielfacht werden", sagte Müller. Für den Ausbau des Kraftwerks kündigte er einen weiteren Kredit über 60 Millionen Euro an. Außerdem will das Entwicklungsministerium seinen Beitrag zu Klimaversicherungen, mit denen sich arme Länder gegen Dürre, Fluten oder Stürme absichern können, um 40 Millionen Euro erhöhen.

Umweltministerin Barbara Hendricks nannte die NDCs das "Herzstück" des Pariser Abkommens. "Nur wenn alle Parteien ihre NDCs schnell und transparent in die Praxis umsetzen und daran arbeiten, sie noch ehrgeiziger zu gestalten, haben wir eine Chance, die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad Celsius und das 1,5-Grad-Ziel erreichbar zu halten."