Dieser Klimagipfel begann mit einem Schock. Gleich zum Auftakt, in der Nacht nach dem zweiten Konferenztag in Marrakesch, wurde 7.000 Kilometer entfernt Donald Trump zum künftigen Präsidenten der USA gewählt – jener Mann, der im Wahlkampf erklärt hatte, der Klimawandel sei eine Erfindung, und er werde die Kohle wieder stark machen. Das Entsetzen war deshalb groß, als die Delegierten am vergangenen Mittwoch erwachten.

Doch inzwischen haben sie sich wieder berappelt. Und sie senden aus Marrakesch ein klares Signal: Ganz egal, ob Donald Trump sein Wahlkampfgetöse in die politische Praxis umsetzt; völlig gleichgültig, ob die USA sich unter ihm aus der Klimadiplomatie zurückziehen oder ob der kommende Präsident versucht, zu Hause die Kohle wiederzubeleben – Trump wird nicht in der Lage sein, den globalen Trend zu einer klimafreundlichen Wirtschaft umzukehren.

Der Wahlsieg des erklärten Klimaskeptikers versetzte die Delegierten zwar in eine Unsicherheit, die sie bis zum Ende der Konferenz nicht ganz abschütteln konnten. Aber sie schafften es, die Aufbruchsstimmung dagegenzusetzen, die immer noch vom historischen Pariser Gipfel vor einem Jahr nachklang. Am Ende waren ihre Einigkeit und ihre Zuversicht stärker als der Schock aus Washington.

Sie könnten tatsächlich recht behalten. Es gibt mindestens vier Gründe, die für Optimismus sprechen:

1. Der Gipfel stand wie eine Eins

Früher gab es eine Gruppe, die den Fortschritt auf Klimakonferenzen zuverlässig bremste. Zur sogenannten Like Minded Group, den Gleichgesinnten, gehörten Staaten wie Saudi-Arabien, Indonesien, China, Venezuela und Indien. Es gab den Grundsatzkonflikt zwischen Industrie- und Entwicklungsländern darüber, wer wie viel zum Klimaschutz beitragen sollte – und ob überhaupt. Erst in Paris endete die Uneinigkeit. Das machte das dort beschlossene Abkommen so besonders.

Die gute Nachricht aus Marrakesch ist nun: Paris wackelt nicht. Zwar gab es offenbar zaghafte Versuche einzelner Like-Minded-Staaten, nach Trumps Sieg die Geschlossenheit zu durchbrechen. Doch die anderen ließen das nicht zu. Umweltschutzorganisationen und staatliche Delegationen sendeten auf diesem Gipfel immer wieder die gleiche Botschaft: Wir stehen zusammen und wir werden den Klimaschutz gemeinsam vorantreiben.

Donald Trump - Ein Klimawandel-Skeptiker im Weißen Haus Für den 45. US-Präsidenten ist der Klimawandel Schwindel. Im Wahlkampf versprach er, Kohle und Fracking zu fördern und einen Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen zu prüfen. Dagegen formiert sich Protest.

Industrie- und Entwicklungsländer schlossen eine Partnerschaft für mehr Klimaschutz. Der noch amtierende US-Außenminister John Kerry riss die Delegierten so sehr mit, dass sie ihn nach einer einstündigen Rede stehend bejubelten.

Das könnte man noch als Nostalgie abtun, als Wunschdenken. Doch noch während Kerry sprach, erklärte China auf einer Pressekonferenz direkt nebenan, es werde an seinen Klimazielen festhalten. Andere wichtige Schwellenländer gaben das gleiche Versprechen. Und vom Klimawandel besonders stark betroffene Länder machten Druck für mehr Ehrgeiz, obwohl einige von ihnen politisch sehr abhängig sind von den USA. All das zeigt: Das Pariser Abkommen hält. Das ist ein wichtiges Signal für Unternehmen und Investoren.

2. Es bewegt sich was

Der Klimagipfel von Marokko sollte der Gipfel der Praxis werden; das Treffen, auf dem man beginnen würde, die Versprechen aus Paris Wirklichkeit werden zu lassen. Das bedeutet zunächst einmal mühsames Verhandlungskleinklein. Die Absichtserklärungen in Paris mussten übersetzt werden in Arbeitspläne und Tagesordnungen. Weil das dauert, blieb der große Wurf diesmal aus – aber den hat in Marrakesch auch vor dem Tag der US-Wahl niemand erwartet.

Fortschritte gab es trotzdem. Kurz vor der Konferenz in Marrakesch trat das Pariser Abkommen in Kraft, viel früher als erwartet. Bis zum Ende des Gipfels haben 111 von 193 Parteien den Vertrag bereits ratifiziert. Auch die USA, die damit zunächst einmal völkerrechtlich verbindlich an ihn gebunden sind. Am Ende der Konferenz von Marrakesch beschlossen die Delegationen einen Fahrplan zur Umsetzung der Klimaziele von Paris.

Zwar stritt man auch in Marrakesch wieder einmal über Geld, genauer: über den Fonds, aus dem die Anpassung an den Klimawandel weltweit finanziert werden soll, denn der leidet unter chronischem Geldmangel. Aber es gab auch Finanzzusagen. Deutschland beispielsweise stockte seine Zahlung an den Anpassungsfonds um 50 Millionen Euro auf, gab 66 Millionen Euro für die Klimapartnerschaft, die armen Ländern helfen soll, ihre Ziele gut umzusetzen, und sagte weitere 60 Millionen an Darlehen für den Ausbau des marokkanischen Solarkraftwerks Ouarzazate zu.

Deutschland war auch das erste Land, das in Marrakesch einen langfristigen Klimaschutzplan vorlegte. Die USA, Mexiko und Kanada zogen nach. Und für alle Staaten, Städte, Regionen und Unternehmen, die auf lange Sicht ebenfalls weitgehend kohlenstofffrei wirtschaften wollen, gibt es seit ein paar Tagen Unterstützung im Netz, die sogenannte 2050 Pathways Platform, die ebenfalls während des Gipfels online ging.