Am Tag nach dem Wahlsieg Donald Trumps üben sich die Delegierten auf dem Klimagipfel von Marrakesch in Zweckoptimismus. "Wir wissen, dass das Pendel in der Politik von einer Seite zur anderen schwingt", sagt Mariana Panuncio-Feldman, Klimaexpertin des WWF. "Diese Wahl wird den Ton der Verhandlungen hier bestimmen. Aber der Impuls, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, war nie größer als jetzt. Unternehmen, Stadtverwaltungen, Bürger: Alle arbeiten daran. Wir müssen weitermachen."

Sie habe Vertrauen in die Delegationen, die sich gerade in Marrakesch treffen. "Sie werden sich weiter auf die Arbeit konzentrieren, die vor ihnen liegt", sagt sie. Dabei zittert ihre Stimme, und Tränen stehen in ihren Augen. 

Die Gipfelteilnehmer von Marrakesch befinden sich im Schockzustand. Denn Donald Trump hatte im Wahlkampf gelobt, das Pariser Abkommen aufzukündigen. Er hatte den Klimawandel als "hoax" bezeichnet und als eine Erfindung der Chinesen, mit dem Ziel, die US-Unternehmen weniger wettbewerbsfähig zu machen. Eine Delegierte beschreibt die Stimmung in Marrakesch als "fassungslos, bedrückt, wie gelähmt". Fast alle Anwesenden hätten geglaubt, dass Clinton schon gewinnen werde. Umso größer sei jetzt das Entsetzen. Manche ältere Delegierte fühlen sich an Kyoto erinnert. Auch damals, vor fast 20 Jahren, gab es ein globales Klimaabkommen – und dann machten die USA doch nicht mit. Kyoto scheiterte. 

Doch die Botschaft, die viele Klimaschützer nach außen verkünden, ist eine andere: So schlimm wird es schon nicht werden. "Ganz egal, was Donald Trump tun wird, er handelt nicht in einem Vakuum", sagt Celia Gautier, Sprecherin des Climate Action Networks (CAN) in Frankreich. "Und er kann die Wissenschaft nicht ignorieren. Die politische Landschaft in den USA hat sich vielleicht geändert, aber die Realität des Klimawandels bleibt die gleiche."

"Wir pflegen mit den USA eine sehr gute Zusammenarbeit und wünschen uns, dass dies so bleibt", sagt derweil Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, die noch in Berlin um ihren eigenen Klimaschutzplan kämpft. Ihr Ministerium gehe davon aus, "dass völkerrechtliche Verpflichtungen gelten und auch nach Regierungswechseln eingehalten werden". Und die oberste Klimadiplomatin der Vereinten Nationen, Patricia Espinosa erklärt, sie freue sich auf die Zusammenarbeit mit Trumps Regierung, "um die Agenda der Klimapolitik weiter voranzutreiben, zum Wohle der Völker des Planeten".

Klimaschutz zur Not auch ohne die USA

Sollte der künftige US-Präsident da nicht mitmachen, so hoffen viele Delegierte in Marrakesch, dass die anderen Länder, die das Pariser Abkommen bereits ratifiziert haben – mittlerweile 103 von 193 Vertragsparteien – zur Not auch ohne die USA weitermachen. "Wenn Trump als Präsident das Pariser Abkommen nicht einhält, wird er in anderen Punkten weniger Entgegenkommen von ausländischen Regierungen erwarten können", sagt Alden Meyer von der Union of Concerned Scientists. Auch in den USA sei bereits so viel in Bewegung, dass sogar eine Regierung Trump den Klimaschutz schwerlich stoppen könne. Unternehmen hätten sich verpflichtet, Emissionen einzusparen. Städte arbeiteten an klimafreundlichen Strategien. Gouverneure beider Parteien wollten saubere Energien fördern.

Die Transformation der Weltwirtschaft hin zu sauberer Energie sei bereits in vollem Gang, erklärt auch der ehemalige Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Achim Steiner. Das setze die Rahmenbedingungen auch für US-Unternehmen, die zudem bereits viel Geld in kohlenstoffarme Technik investiert hätten und in klimafreundlichen Branchen viele Menschen beschäftigten. "Wahrscheinlich werden die Märkte jede künftige Veränderung der US-Politik mäßigen."

Formal könnte Trump das Pariser Abkommen laut Vertrag zwar erst in drei Jahren kündigen. Außerdem bleiben die USA Mitglied der Klimarahmenkonvention und damit an internationale Übereinkommen gebunden. So einfach, wie der Wahlkämpfer Trump es darstellte, könne es also nicht werden, sagt Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal dem französischen Radiosender RTL: "Er kann die Vereinbarung von Paris nicht kündigen."

Aber daheim könnte Donald Trump den Clean Power Plan von Präsident Barack Obama mühelos zurückdrehen. Der Plan sah vor, die Emissionen der USA um gut ein Viertel einzuschränken. Niemand kann die USA zwingen, ihre vertraglich gegebenen Versprechen auch einzuhalten. "Das Paris-Abkommen beruht auf Freiwilligkeit" sagt Brigitte Knopf, Generalsekretärin des Berliner Thinktanks Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change. "Auch wenn es formell in Kraft bleibt, kann sich eine Regierung de facto leicht herausziehen, wenn sie will." 

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