Am Abend, bevor die US-Bürger ihn zu ihrem nächsten Präsidenten kürten, wandte sich Donald Trump ein letztes Mal mit einem großen Versprechen an seine Wähler. Seit Monaten hatte der Kandidat gegen die Eliten in Washington und an den Küsten gewettert. Sie hätten die einfache Mittelschicht im Landesinnern vergessen, sagte er. Das werde unter ihm als Präsidenten nicht mehr passieren. Trump versprach, die Steuern für die Mittelschicht "massiv" zu senken, sollte er ins Weiße Haus einziehen. Einen Tag später gewann er die Wahl, vor allem dank seiner glühenden Unterstützer in der Mittelschicht.

Dabei standen die Grundpfeiler seiner Steuerpläne zu diesem Zeitpunkt schon lange fest – und die großen Steuergeschenke für Normalverdiener sucht man darin vergeblich. Forscher der New York University (NYU) legten schon im Oktober eine Studie vor, die zeigt: Der Großteil der geplanten 6,2 Billionen Dollar an Steuersenkungen für die kommenden zehn Jahre geht an Menschen wie Donald Trump selbst. "Sein Plan zielt eindeutig auf die Besserstellung der Reichsten im Land", sagt die Steuerspezialistin Lily Batchelder. Sie hat die Studie verfasst. Zwar behauptet Trump, Steuersenkungen für die Reichsten hätten positive Folgen für die ganze Wirtschaft; da ist er sich mit ranghohen Republikanern an seiner Seite einig. Doch Ökonomen sind skeptisch.

Noch sind viele Details des Trumpschen Plans offen. Doch klar ist: Das reichste Prozent der US-Einwohner kann mit saftigen Steuernachlässen rechnen. Es sind jene Leute, die mehr als 699.000 Dollar im Jahr verdienen. Fast die Hälfte der geplanten Senkungen bringe ihnen mehr Geld, hat Batchelder berechnet, und pro Jahr sparten sie so im Schnitt rund 214.000 Dollar. 

Trumps Wahlkampfrhetorik habe die tatsächlichen Folgen seiner Steuerpläne für viele lange verschleiert, sagt Matt Gardner vom Institute on Taxation and Economic Policy in Washington, DC. "Aber Sie können es drehen, wie sie wollen. Die wahren Profiteure werden die Reichsten der Reichen sein." Und je reicher die Leute, desto deutlicher zeigt sich der Effekt.

Unter Trump werden die 117.000 US-Haushalte mit einem jährlichen Einkommen von mehr als 3,7 Millionen Dollar – auf Basis dessen, was bisher über seine Pläne bekannt ist – im kommenden Jahr ein Fünftel weniger Steuern zahlen als 2016. In den Jahren danach, sagen Steuerexperten, dürfte die Ersparnis noch einmal deutlich steigen. Die Pläne der beiden Kandidaten seien diametral zueinander angelegt, hatte das Tax Policy Center angesichts der großzügigen Trumpschen Geschenke schon im Herbst geurteilt. Denn Hillary Clinton hatte angekündigt, die Steuern für das obere ein Prozent um durchschnittlich 163.000 Dollar pro Jahr zu erhöhen. 

Trumps Erleichterungen für die Geldelite gehen sogar über Steuersenkungen hinaus. Schon im Wahlkampf hatte er versprochen, die Erbschaftsteuer ganz abschaffen zu wollen. Er beschimpfte sie als "Todessteuer". Derzeit wird bei einem Privatvermögen von mehr als 5,45 Millionen Dollar ein Steuersatz von 40 Prozent fällig. Bei Paaren steigt die Schwelle auf 10,9 Millionen. Angesichts dieser Summen betrifft die Regelung schon jetzt nur rund 1.000 Amerikaner. "Mir fällt keine Änderung im Gesetz ein, die stärker für Ungleichheit steht", sagt Matt Gardner vom Institute on Taxation and Economic Policy. 

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