ZEIT ONLINE: Der künftige US-Präsident Donald Trump will drei Schlüsselpositionen in seinem Kabinett mit Gegnern einer aktiven Klimapolitik und Vertretern der Ölindustrie besetzen: Scott Pruitt, derzeit Generalstaatsanwalt in Oklahoma, soll Chef der Umweltbehörde Epa werden, der ehemalige texanische Gouverneur Rick Perry Energieminister, und ExxonMobil-Boss Rex Tillerson ist als Außenminister nominiert. Was bedeutet das für die künftige Energiepolitik der USA?

Ken Kimmell: Es bedeutet, dass wir uns in Richtung einer Regierung aus der, durch die und für die Öl- und Gasindustrie bewegen. Die Konzentration von Reichtum, Macht und Ideologie in einem Kabinett bereitet uns große Sorgen.

ZEIT ONLINE: Was ist so bedenklich an Pruitt, Perry und Tillerson?

Kimmell: Rick Perry hat öffentlich angezweifelt, dass der Klimawandel geschieht. Scott Pruitt hat den größten Teil seiner Amtszeit als Generalstaatsanwalt von Oklahoma damit zugebracht, gegen Umwelt- oder Gesundheitsregulierungen von Präsident Barack Obama zu klagen. Sie sind zwar rechtskräftig, aber mit Pruitt als Epa-Chef könnte die künftige Regierung Trump einige dieser Regeln kippen.

ZEIT ONLINE: Welche Regeln zum Beispiel?

Kimmell: Zum Beispiel die Grenzwerte für Emissionen aus Kraftwerken, die im Clean Power Plan der Epa festgelegt sind. Oder die Standards für den Treibstoffverbrauch von Personenkraftwagen. Beide machen einen großen Teil unseres Beitrags zum Pariser Klimaabkommen aus. Daneben gibt es noch Effizienzvorschriften für Elektrogeräte, die ebenfalls wichtig für das Abkommen sind. Aber ich glaube, sie sind nicht so sehr in Gefahr, zurückgenommen zu werden.

ZEIT ONLINE: Die Epa ist eine Behörde mit etwa 17.000 Mitarbeitern, eingespielten Arbeitsabläufen und Regeln. Es dürfte nicht leicht sein, solch eine große Institution umzumodeln.

Kimmell: Natürlich nicht. Man kann auch die Vorschriften der Epa nicht einfach mit einem Federstrich zurücknehmen. Um sie zu verändern, würde die Regierung Trump einen bestimmten legalen Prozess einhalten müssen. Beachtet sie die Verfahrensregeln nicht, riskiert sie Klagen. Außerdem sind viele Angestellte der Epa langjährige öffentliche Bedienstete, die sich dem Auftrag der Behörde verpflichtet fühlen. Sie werden nicht scharf darauf sein, dass man die Ergebnisse ihrer Arbeit zunichte macht.

ZEIT ONLINE: Das Energieministerium hat sich geweigert, die vom Trump-Team geforderten Listen mit Namen der Bediensteten zu erstellen, die sich bislang in der Klimapolitik engagiert haben.

Kimmell: Das stimmt, und es war die richtige Antwort auf eine sehr beunruhigende Forderung.

Wie gesagt, es ist nicht leicht, den bisherigen Kurs der Institutionen zu ändern. Aber mit der Zeit könnte es gelingen. Deshalb müssen die Millionen Amerikaner ihre Stimme erheben, die eine solche Politik nicht gewählt haben, die sauberes Trinkwasser, saubere Luft und eine vernünftige Klimapolitik wollen.

ZEIT ONLINE: Im März ergab eine Gallup-Umfrage, dass nur etwa zwei Drittel der US-Bürger den Klimawandel als drängendes Problem empfinden. Das ist zwar die Mehrheit – aber so wichtig scheint der Öffentlichkeit eine vernünftige Klimapolitik doch nicht zu sein.

Kimmell: Es geht nicht nur ums Klima, sondern auch um die Verschmutzung von Luft und Wasser, um den Schutz von Land. Viele Errungenschaften sind in Gefahr. Hier geht es um Diskriminierung, um Einwanderung, darum, dass Arbeiter fair behandelt werden sollten. Ich rechne damit, dass die Leute auf die Straße gehen.

ZEIT ONLINE: Optimisten würden sagen: Washington ist für die US-Klimapolitik gar nicht so wichtig, denn mächtige Bundesstaaten betreiben längst eine starke eigene Klimapolitik, und erneuerbare Energien ziehen aus wirtschaftlichen Gründen längst so viele Investitionen an, dass der Wandel sich gar nicht mehr aufhalten lässt. Auf dem Klimagipfel in Marrakesch zumindest wurde diese Botschaft immer wieder verkündet. Ist sie falsch?