Eine arme Sau bleibt eine arme Sau. Arbeitnehmer, die es in ihrem Erwerbsleben nie geschafft haben, einen halbwegs gut bezahlten Job zu ergattern, enden in der Regel als arme Rentner. Und arme Rentner sterben laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts zehn Jahre früher als ihre wohlhabenden Altersgenossen.

Der erste Teil dieses Zusammenhangs ist in Deutschland besonders ausgeprägt. Und je stärker das Rentenniveau fällt, je mehr Menschen im Niedriglohnsektor arbeiten und je mehr Rentner künftig allein leben, desto größer wird die Zahl der Betroffenen sein.

Wie kann es eigentlich sein, dass sich ausgerechnet im prosperierenden Zentrum Europas ein Altersarmut-Problem aufbaut?

Wer viel einzahlt, bekommt auch mehr

Die Antwort ist vergleichsweise einfach. Das System der gesetzlichen Rente, so wie es seit Ende der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland aufgebaut worden ist, beruht auf dem Äquivalenzprinzip. Wer mehr ins Rentensystem einzahlt, bekommt auch mehr aus dem System heraus. Definiert ist lediglich eine Obergrenze, bis zu der man von seinem Einkommen in die Rentenkasse einzahlt, für 2017 sind das 76.200 Euro Jahreseinkommen.

Die gesetzliche Rente wird bei einem solchen System zu einer Art Eigentumstitel. Ansprüche, die in dem System mit eigenen Einzahlungen erworben worden sind, unterliegen weniger den Risiken politischer Willensbildung und können den Arbeitnehmern und Rentnern nicht so einfach wieder weggenommen werden. Insbesondere der gewerkschaftlich organisierte Teil der Arbeitnehmer weiß diese Art politischer Sicherheit zu schätzen und betont diesen Zusammenhang immer wieder. Gerecht wirkt das System auch noch.

Arbeitgeber und Gewerkschaften schwören auf die Vorzüge des Äquivalenzprinzips. Dazu gehört auch die Überzeugung, dass Rentenkürzungen – wie sie in Folge der Finanz- und Eurokrise in Südeuropa an der Tagesordnung waren – in Deutschland nicht so einfach umzusetzen wären.

Niedriglöhner, Mindestlöhner und Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien fallen einem solchen System jedoch zum Opfer. Sie können in ihrem Erwerbsleben nicht viel in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und bekommen als Rentner nur wenig heraus. Rentner, die zudem wie immer mehr Alte einen Single-Haushalt führen, können der Altersarmut kaum entkommen.