Die italienische Polizei hat einen Nuklearingenieur und dessen Schwester wegen des Verdachts auf Cyberspionage festgenommen. Die Ermittler kamen dem 45-jährigen Mann und seiner 49-jährigen mutmaßlichen Komplizin mit Hilfe der US-Bundespolizei FBI auf die Spur. Sie werfen den beiden vor, Politiker, Unternehmer und öffentliche Einrichtungen ausgespäht zu haben. Darunter sind prominente Namen wie der von EZB-Chef Mario Draghi und des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi.

Der Ermittler Roberto Di Legami sagte, aus dem sichergestellten Material gehe hervor, dass sich die Hacker Zugriff auf 18.000 E-Mail-Konten verschaffen konnten. Etwa 2.000 Passwörter seien geknackt worden. Laut Di Legami wurden die gehackten E-Mails wahrscheinlich von dem 45-Jährigen in der von ihm geleiteten Investmentfirma Westland Securities genutzt. Der Hacker dürfte die verwendete Schadsoftware selbst entwickelt haben. Es gebe auch Hinweise darauf, dass er einen sogenannten Keylogger auf einigen Computern installieren konnte. Mit einer solchen Software lassen sich alle Eingaben auf der Tastatur eines infizierten Computers überwachen.

Gestohlene Daten in den USA gespeichert

Zu den gehackten Konten zählen nach Polizeiangaben Renzis Mail-Adresse während seiner Zeit als Regierungschef von Italien sowie Draghis bei der Bank von Italien, die er vor seinem Wechsel an die EZB-Spitze leitete. Draghis Mail-Konto bei der Europäischen Zentralbank wurde im Haftbefehl hingegen nicht als Ziel genannt. Zu den Opfern des Hackerangiffs zählten auch der ehemalige Direktor der Bank von Italien, Fabrizio Saccomanni, der Kulturminister des Vatikans, Kardinal Gianfranco Ravasi, sowie mit Mario Monti ein weiterer Ex-Regierungschef.

Die EZB und die Bank von Italien lehnten eine Stellungnahme ab. Etwa 99 Prozent der gestohlenen Daten wurden nach Polizeiangaben in den USA gespeichert. Das FBI stellte auf Ersuchen eines römischen Gerichts die Server sicher.