Donald Trump hat sich wie ein allgegenwärtiges Gespenst in das Weltwirtschaftsforum in Davos geschlichen. Egal mit wem man spricht, welche Veranstaltung man besucht, nach wenigen Minuten steht der künftige US-Präsident im Raum, unsichtbar, aber gleichzeitig alles andere überwölbend.

Die meisten Gespräche und Diskussionsrunden haben dabei eins gemeinsam: Es herrscht eine große Ratlosigkeit. Die Veränderungen, die sich mit dem Amtswechsel in Washington abzeichnen, versetzen viele Teilnehmer in gewaltige Unruhe. Die versammelte Elite aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sucht noch nach dem richtigen Umgang mit dem neuen US-Präsidenten. Wie soll man mit seinem Populismus, seinen Unwahrheiten, den Beleidigungen von Presse und politischen Gegnern umgehen? Und noch viel wichtiger: Wie gefährlich ist sein Nationalismus ("America first") und Protektionismus für die Stabilität der Welt?

Trump ist selbst nicht nach Davos gekommen. Wie auch, wird er doch am Freitag in Washington zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt. Einen Abgesandten hat er jedoch geschickt: Anthony Scaramucci, früher Banker bei Goldman Sachs, künftig Berater von Trump im Weißen Haus.

Scaramucci gibt einen interessanten Ausblick auf die kommende Ära. Wortgewandt skizziert er die Welt, so wie sie sich der kommende Präsident vorstellt. Trump sei für Globalisierung und die Nato für ihn nicht "obsolet" (auch wenn Trump in einem Interview das Gegenteil gesagt hatte). Gleiches gilt laut Scaramucci für die EU, die müsse nur reformiert werden. Und ein Militarist, der die USA aufrüsten will, sei Trump schon mal gar nicht. Scaramuccis Fazit: Wir haben ihn alle missverstanden.

Vor allem wenn Scaramucci über Globalisierung und den weltweiten Handel spricht, wird deutlich, wohin die USA unter der neuen Führung steuern werden. Bislang habe der freie Welthandel – beispielsweise mit China – fast nur Nachteile für die USA gehabt. "Asymmetrisch" seien die Handelsbeziehungen gewesen. Güter und Dienstleistungen hätten einfach in die USA exportiert werden können. Umgekehrt sei dies aber keinesfalls so leicht.

Das müsse sich künftig ändern, fordert Trumps Berater. Die Handelsbeziehungen müssten symmetrischer werden. Scaramucci verspricht sich davon steigende Löhne und eine wachsende Mittelschicht in den USA. Kurz zusammengefasst: Wenn es Amerika gut geht, führt das zu mehr mehr Wohlstand und Frieden auf der ganzen Welt. Das ist die optimistische, aber natürlich auch etwas simple Sichtweise des künftigen US-Präsidenten.

Trump globalisiert den Nationalismus

Trump will symmetrische Handelsbeziehungen nicht nur mit China herstellen, sondern auch mit anderen Ländern wie beispielsweise Deutschland. Erst vor wenigen Tagen drohte er BMW mit Strafzöllen, sollte der Münchner Konzern die Fahrzeuge, die er in den Vereinigten Staaten verkaufen will, nicht auch dort produzieren. "Make America great again" steht für Trump eben über allem. Er will Arbeitsplätze in den USA schützen und das Land gegen Billigimporte aus Mexiko oder anderswo abschotten.

Eine Antwort auf diese "Globalisierung des Nationalismus", wie es der Schweizer Karikaturist Patrick Chappate nennt, findet man in Davos allenfalls in Ansätzen: Bloß nicht kollaborieren, bloß nicht den Populismus normalisieren, sagt Jan-Werner Müller, der in Princeton Politikwissenschaften lehrt. Das würde die Demokratie noch stärker gefährden. Mehr Transparenz, mehr Verantwortung, noch mehr guten Journalismus fordert Mark Thomsen, CEO der New York Times. Aber auch er weiß: Den Kern der Trump-Wähler wird er damit nicht erreichen. 

Kampf gegen die Ungleichheit

IWF-Chefin Christine Lagarde sieht im Kampf gegen die wachsende soziale und ökonomische Ungleichheit einen wichtigen Ansatz: Sie habe bereits 2013 in Davos vor den Folgen dieser Entwicklung gewarnt, sagt Lagarde. Damals habe sie kaum Aufmerksamkeit bekommen. "Hoffentlich hören die Leute heute zu."

Wie sehr der Wahlsieg Trumps die Welt verändert hat, zeigt die Rede des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Er tritt in Davos nicht nur als Verteidiger der Globalisierung und des Freihandels auf, was nicht wirklich überrascht, sondern als auf Ausgleich bedachter, weltoffener Politiker. Xi Jinping wendet sich direkt an den nicht anwesenden künftigen US-Präsidenten: "Niemand wird als Sieger aus einem Handelskrieg hervorgehen. Wenn wir auf Schwierigkeiten stoßen, sollten wir uns nicht beschweren, anderen die Schuld geben oder weglaufen. Stattdessen sollten wir Hand in Hand gehen und uns der Herausforderung stellen."

Die Rede von Xi Jingping hat in Davos viel Aufmerksamkeit bekommen. China als Hort der Vernunft – vielleicht ist das die positive Nachricht, die vom diesjährigen Weltwirtschaftsforum ausgehen kann. Hoffentlich wird sie in Washington auch gehört.