Beim World Economic Forum (Leitspruch: "Den Zustand der Welt zu verbessern") zieht sich die Frage, was die globale Elite falsch gemacht hat, durch fast alle Reden, Interviews und Panels. Man ist sich hier allgemein einig, dass die Globalisierung eigentlich in vielen Bereichen gut gelaufen ist (beispielsweise bei der Bekämpfung der Armut in den Schwellenländern, dem Wachstum der Weltwirtschaft, einem besseren Zugang zu Bildung oder Gesundheitsversorgung für große Teile der Menschheit). Trotzdem haben nun ausgerechnet in den USA und Großbritannien, den globalisierungsfreundlichsten Ländern  der Welt, Nationalisten die Macht erobert. Wie kann man verhindern, dass in Holland, Frankreich oder Deutschland Ähnliches passiert?

Die Antworten, die in Räumen mit Namen wie "Aspen 1" oder dem Hotel Steigenberger Belvédère fallen, klingen richtig, aber trotzdem irgendwie ratlos. Der schwedische Premierminister Stefan Löfven empfiehlt mehr Studiengänge, die sich an den neuen Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientieren. Der amerikanische Philosoph Michael Sandel fordert die sozialdemokratischen Parteien des Westens auf, den Patriotismus nicht den Rechten zu überlassen. Die britische Regierungschefin Theresa May geißelt den "Kult des Individualismus", den Globalisierung und Liberalismus hervorgebracht hätten.

"Für Elite sind Sorgen nachrangig"

Hört man sich einige dieser Panels an, beschleicht einen ein Gedanke: Sind die hier anwesenden Nobelpreisträger, Spitzenpolitiker und NGO-Chefs überhaupt in der Lage, jene Menschen zu verstehen, die die globale Elite gerade abgewählt haben? Wie glaubwürdig sind die Empfehlungen zur "Post-EU-Ära", zu "Russland in der Welt" oder "Syrien und Irak: den Konflikt beenden"? Ist diese Konferenz genau der richtige Ort, um über gesellschaftliche Probleme zu sprechen, die durch Einwanderung, Digitalisierung und Freihandel entstehen? Oder ist sie genau falsch dafür?

Der größte Unterschied zwischen Volk und Elite, hat der gern zitierte Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington geschrieben, liege im Nationalismus der ersten Gruppe und dem Kosmopolitentum der zweiten. "Das Volk sorgt sich vor allem um seine physische und soziale Sicherheit, womit auch die Nachhaltigkeit von Sprache, Kultur, Religion und nationaler Identität gemeint ist", so Huntington. "Für viele Mitglieder der Elite sind diese Sorgen allerdings nachrangig im Vergleich dazu, an der Weltwirtschaft teilzunehmen, internationalen Handel und Migration zu unterstützten, globale Institutionen zu stärken, amerikanische Werte in der Welt zu verbreiten und zu Hause Minderheiten zu fördern."