Bei ihrem Türkei-Besuch hat die britische Ministerpräsidentin Theresa May zusammen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan eine Rüstungszusammenarbeit iniziiert. Das britische Unternehmen British Aerospace Electronic Systems und Turkish Aerospace Industries hätten eine Übereinkunft über mehr als 100 Millionen Pfund unterzeichnet, sagte May. Das britische Unternehmen werde den Türken dabei helfen, den Kampfjet TF-X zu entwickeln.

May ist die erste westliche Regierungschefin, die die Türkei nach dem Putschversuch besucht. Ihr Ziel ist es, neue wirtschaftspolitische Partner zu finden, bevor ihr Land die EU verlässt. Dafür will sie auch mit der Türkei die Handelsbeziehungen ausbauen.

Erdoğan sagte, beide Seiten wollten das derzeitige jährliche Handelsvolumen von 15 auf 20 Milliarden Dollar steigern. Die Regierungen beider Länder gründeten dafür eine Arbeitsgruppe. May ergänzte, dies sei der "Beginn einer neuen und tieferen Handelsbeziehung" und werde britische und türkische Jobs sichern.

Gespräche über Sicherheitspolitik

Zudem sprach May mit Erdoğan nach eigenen Angaben über die gemeinsame Sicherheitspolitik, den Konflikt in Syrien, den Kampf gegen die Terrormiliz IS und die Verhandlungen zur Überwindung der Teilung der Mittelmeerinsel Zypern.

May sagte nach dem Treffen mit Erdoğan, sie sei stolz, dass die Regierung in London während des gescheiterten Militärputsches im Juli vergangenen Jahres an der Seite der demokratisch gewählten türkischen Regierung gestanden habe. Die Regierung in Ankara sei nun aufgefordert, an Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten festzuhalten.

Die Türkei wirft Großbritannien allerdings ebenso wie anderen westlichen Staaten mangelnde Solidarität nach dem versuchten Staatsstreich Mitte Juli vor. Die Regierung in London wiederum ist besorgt wegen der Entlassung und Inhaftierung Zehntausender Staatsangestellter sowie des harten Vorgehens der türkischen Regierung gegen Medien und Opposition.

Am Freitag hatte May als erster ausländischer Staatsgast den neuen US-Präsidenten Donald Trump in Washington getroffen. Großbritannien strebt auch mit den USA noch engere Handelsbeziehungen an.